Der Strombedarf wächst global derzeit deutlich schneller als im Mittel der zurückliegenden Dekade. International sind in vielen Regionen Hitzewellen ein wichtiger Faktor, aber sie sind nicht der einzige Treiber des Strombedarfs. Auch die steigende Nachfrage aus der Industrie, der Ausbau von Rechenzentren und die fortschreitende Elektrifizierung werden alle zum starken Wachstum der globalen Stromnachfrage beitragen, heißt es in einer aktuellen Analyse der Internationalen Energie-Agentur (IEA).
Der Titelbericht von ContextCrew Neue Energie 35.2025 stellt die wichtigsten Ergebnisse der IEA-Analyse vor. Sie zeigt, dass der Zuwachs der Stromnachfrage inzwischen zum allergrößten Teil durch erneuerbare Energien gedeckt wird. Jedes Jahr entstehen weltweit Anlagen, die 1.000 TWh und mehr zur Stromerzeugung beitragen, im laufenden Jahr wird die Marke von 5.000 TWh Strom aus erneuerbaren Energien auf globaler Ebene überschritten.
In der ersten Hälfte 2025 ging die Kohleverstromung in China und Indien im Jahresvergleich zurück, während sie in den USA und der EU zunahm. Die Rückgänge in China und Indien waren auf moderateres Nachfragewachstum gegenüber dem gleichen Zeitraum 2024 und auf eine starke Expansion der erneuerbaren Energien zurückzuführen. In den USA stiegen hingegen sowohl erneuerbare als auch kohlebefeuerte Erzeugung deutlich – letztere aufgrund von Gas-zu-Kohle-Switching bei höheren Erdgaspreisen im Vergleich zu 2024.
Die Blickpunkte sind ein zentrales redaktionelles Format der ContextCrew. Sie ermöglichen die Einordnung der tagesaktuellen Entwicklungen in den größeren Sachzusammenhang. Die jüngsten Updates der Blickpunkte:
- Großbatteriespeicher für die Energiewende: Die jüngsten Updates betreffen ein von Tennet vorgelegtes Papier mit Vorschlägen zur Reform der Regelungen zum Netzanschluss von Batteriespeichern und ein Papier von Eco Stor mit sieben Maßnahmen zur Stärkung des Ausbaus von Batteriespeichern.
- Wärmepumpen als Schlüsseltechnologie der Energiewende: Die Wärmepumpenbranche geht davon aus, dass der Absatz von Wärmepumpen trotz der aktuellen Zurückhaltung 2025 gegenüber dem Vorjahr steigen wird. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) analysiert die Entwicklung in seiner jetzt vorgelegten „Branchenstudie 2025“ in zwei Szenarien.
- Grüne Prozesswärme für die Industrie: Der unterschätzte Hebel der Energiewende: Biomasse kann einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie leisten – wenn sie effizient und strategisch eingesetzt wird. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat jetzt ein Dossier mit dem Titel „Gezielte Nutzung von Biomasse für eine klimaneutrale und wettbewerbsstarke Industrie“ veröffentlicht.
- Dynamische Stromtarife: Enercity führt eigenen Angaben zufolge als erstes Unternehmen in Deutschland dynamische Strompreise für das Ad-hoc-Laden von Elektrofahrzeugen ein. Das Pilotprojekt startet an zwölf öffentlichen Schnellladestationen mit 24 Ladepunkten am Cityring in Hannover und sei „Wegbereiter für mehr Preistransparenz, einfacheres Laden und eine stärkere Integration erneuerbarer Energien“, heißt es bei enercity.
- Floating- und Agri-Photovoltaik: Die oekostrom AG, die Energiegenossenschaft Green Planet Energy und die Stadtwerke Hartberg haben in Parndorf im österreichischen Burgenland mit dem Bau einer Agri-Photovoltaikanlage begonnen, die an den bestehenden Windpark Parndorf angebunden wird.
Welche Rolle die USA in den kommenden Jahren im Bereich der erneuerbaren Energien spielen werden, ist aktuell schwer abzuschätzen. Die Signale an den Markt sind allerdings problematisch: Nach 9 Jahren Vorbereitungs- und Planungszeit und der in Kürze erwarteten Fertigstellung hat eine US-Bundesbehörde dem dänischen Energiekonzern Ørsted untersagt, den Bau des Windparks Revolution Wind fortzusetzen. Unter anderem werden „nationale Sicherheitsinteressen“ als Begründung vorgebracht.
Irritation über Stop-Work-Order für Windpark Revolution
Die Irritation über den Schritt der US-Bundesbehörde ist in der Kommunikation des dänischen Unternehmens spürbar. „Revolution Wind ist vollständig genehmigt und hat alle erforderlichen Bundes- und Landesgenehmigungen erhalten, einschließlich des Genehmigungsschreibens für den Bau- und Betriebsplan am 17. November 2023, nach Überprüfungen, die vor mehr als neun Jahren begonnen hatten“, heißt es. Revolution Wind verfügt über 20-jährige Stromabnahmeverträge zur Lieferung von 400 MW Strom nach Rhode Island und 304 MW nach Connecticut – genug, um über 350.000 Haushalte in beiden Bundesstaaten mit wachsender Energienachfrage zu versorgen.
Hierzulande gehen die Diskussionen über die Ausgestaltung der Versorgungssicherheit in einem Wind- und Solar-dominierten Energiesystem weiter. Eine Studie im Auftrag der Erneuerbaren-Branche warnt vor einer Fixierung auf große zentrale Gaskraftwerke und spricht sich für technologieneutrale Fördermechanismen aus. „Steckt die heimische Energieversorgung erst einmal in dieser Sackgasse, ist es zukünftig aufgrund der hohen Kosten für Großkraftwerke nicht mehr möglich, dynamisch auf Entwicklungen bei der Stromnachfrage, der Verfügbarkeit von Brennstoffen, Technologiekosten und Innovationen zu reagieren“, sagt Studienleiter Matthias Janssen von Frontier Economics. „Die Bundesregierung legt sich selbst Fesseln an.“
Details der Kraftwerksstrategie noch nicht finalisiert
Derweil räumt die Bundesregierung ein, dass die Details der Kraftwerksstrategie noch nicht finalisiert sind. Anfang Juli hörte sich das noch anders an. Seinerzeit erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Bundestag, dass die Kraftwerksstrategie „so gut wie fertig“ sei.
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