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Energiewoche 28/2025

Ausbau des Stromnetzes und die Kosten: Intelligenz gefragt

Wie kann der Ausbau des Stromnetzes für die Energiewende in den kommenden Jahren so gestaltet werden, dass die Kosten möglichst gering bleiben, fair verteilt werden und das System optimale Signale zur Nutzung von Flexibilität aussendet? Die Antwort auf diese Frage kann der Schlüssel für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Energiewende sein.

Der Titelbereich der Ausgabe 28.2025 von ContextCrew Neue Energie widmet sich der aktuellen Debatte um den Netzausbau als Grundlage für ein funktionales dezentrales und regeneratives Energiesystem. Der erhebliche Ausbaubedarf – sowohl auf Übertragungsnetzebene als auch im Verteilnetz – wird in den kommenden Jahren hohe Investitionsvolumina und einen entsprechenden Finanzierungsbedarf mit sich bringen.

Um die Akzeptanz der Transformation zu stärken, brauche es eine neue, auf Transparenz und Effizienz ausgerichtete Systematik der Netzentgelte, führt die Denkfabrik Agora Energiewende aus. Ähnlich äußert sich die Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy: „Die Netzentgelte müssen nicht nur die langfristige Finanzierung eines auf erneuerbare Energien ausgelegten Netzsystems sicherstellen, sondern auch Anreize für Effizienz, Flexibilität und Systemintegration setzen.“

Netzausbau und Kosten: Die Debatte in ContextCrew Neue Energie
  • (Juli 2025) Stromnetzausbau und die Kosten: Kluge Reform muss die richtigen Anreize setzen: Leittext zur aktuellen Debatte über den Stromnetzausbau, die Kosten und die anreizkompatible Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik.
  • (Juli 2025) Rechenzentren und KI: Das Stromnetz wird zum Engpassfaktor für künftiges Wachstum: Die strategische Netzplanung entwickelt sich laut einem neuen Bericht des globalen Energie-Thinktanks Ember zu einem entscheidenden Faktor dafür, welche europäischen Länder wirtschaftliche Chancen im Zusammenhang mit Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz (KI) anziehen.
  • (Juli 2025) dena: Vier Hebel für zukunftsfähige Verteilnetze: Die Energiewende stellt Verteilnetzbetreiber vor enorme Herausforderungen: Investitionen müssen bis 2045 um bis zu 123 Prozent steigen, gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Planung und Digitalisierung. Das zeigt die neue Verteilnetzstudie II der dena, die gemeinsam mit 26 Netzbetreibern sowie BET Consulting, der Bergischen Universität Wuppertal und BMU Energy Consulting erstellt wurde.
  • (Juli 2025) Netzentgeltreform: Welche Maßnahmen die Kosten für das Stromnetz senken: Mit staatlichen Zuschüssen will die Bundesregierung Stromkosten für Haushalte und Unternehmen reduzieren – unter anderem über das Absenken der Netzentgelte. Eine neue Studie von Agora Energiewende widmet sich der Frage, wie die Kosten für das Stromnetz langfristig verringert werden können. Agora sieht Möglichkeiten für Einsparungen beim Ausbau und grundlegende Reformen für einen effizienteren Betrieb.
  • (Juni 2025) Studie: Netzausbaukosten lassen sich durch Überbauung Erneuerbarer deutlich senken: Eine Kurzstudie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) befasst sich mit der Frage, wie sich durch die Überbauung am Netzverknüpfungspunkt Netzausbaukosten senken lassen. Ergebnis der Analyse: Die Kosteneffizienz beim Ausbau der Erneuerbarer kann durch die Optimierung der Netzanschlussleistung erhöht werden.
  • (Juni 2025) Studie: Erzeugernetzentgelte als Instrument zur Beteiligung des Auslands an Netzausbaukosten: Eine neue Studie von Neon und Consentec im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers Tennet untersucht die Effekte von Erzeuger-Netzentgelten. Solche Netzentgelte, die es heute in Deutschland nicht gibt, wurden von der Bundesnetzagentur im Rahmen der geplanten Netzentgeltreform ins Spiel gebracht.

Die Bundesnetzagentur hat jüngst den Reformprozess „AgNeS“ (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom) gestartet. An der Konsultation, die am 30. Juni geendet ist, hat sich die Energiewirtschaft auf breiter Front beteiligt. Die Netzbehörde hat verschiedene Instrumente in den Raum gestellt, die im Zuge der anreizoptimierten Finanzierung des Netzausbaus zur Anwendung kommen könnten, etwa Kapazitätspreise, Einspeiseentgelte und Baukostenzuschüsse.

Für die Bioenergiebranche steht mit Blick auf den künftigen Instrumentenmix im Fokus, dass eine neue Netzentgeltsystematik Flexibilitätsanbieter belohnt, da sie dazu beitragen, Systemkosten zu verringern. „Die pauschale Gleichbehandlung sämtlicher EE-Anlagen hinsichtlich netzbezogener Kosten ist aus unserer Sicht sachlich nicht gerechtfertigt“.

Summe aller genehmigter Leitungskilometer in Zuständigkeit der Bundesnetzagentur (Quelle: BNetzA / Controlling-Meldung ans Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Q1 2023; Letzte Aktualisierung: 27.06.2025.)

Strategisches Zielbild  sollte das „Smart Grid“ und nicht die „Kupferplatte“ sein

„Unter dem Strich geht es um Intelligenz beim weiteren Netzausbau – auf allen Ebenen. Potenziell kann durch eine verstärkte Berücksichtigung von Flexibilitäten in der Netzplanung auch Netzausbau reduziert werden, vorausgesetzt, gesetzliche Vorgaben  erlauben eine dauerhafte, netzneutrale oder netzdienliche Flexibilitätsnutzung“, heißt es in der Verteilnetzstudie II der dena.

Das Zielbild sollte ein „Smart Grid“ mit einer strategischen Integration steuerbarer Verbraucher in die Betriebsführung sein und keine „Kupferplatte“, bei der das Netz statisch betrieben und für jede theoretisch mögliche Leistungsspitze ausgebaut wird. „Dafür ist ein angepasster gesetzlicher Rahmen erforderlich, der die volkswirtschaftlich kluge Nutzung von Flexibilität ermöglicht.“