Noch vor der Sommerpause soll ein Monitoringbericht abschätzen, ob der künftige Strombedarf in Deutschland gegenwärtig akkurat prognostiziert wird. Die Ergebnisse dürften maßgeblich sein für die weitere Rahmensetzung der neuen Bundesregierung. Eine neue Analyse von Aurora Energy Research im Auftrag von Agora Energiewende kommt zu dem Schluss, dass ein schneller Ausbau der erneuerbaren Energien auch bei einem niedrigeren Stromverbrauch eine erhebliche Senkung der Strompreise im Großhandel bringen wird – und damit ein zentrales Instrument sein dürfte, um wichtige Ziele der Regierung zu erreichen.
Der Titelbereich von ContextCrew Neue Energie 26.2025 (⇒ Einstiegsangebot für B2B-Neukunden) stellt die Ergebnisse der Agora-Studie vor. Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Börsenstrompreise bis 2030 um bis zu 23 Prozent sinken, wenn man einen Ausbau im aktuell geplanten Tempo einem reduzierten Ausbau gegenüber stellt. Grund ist das Herausdrängen teurer fossiler Anlagen aus dem Markt. Damit würden auch die erforderlichen zusätzlichen Förderkosten der Erneuerbaren überkompensiert.
„Der Ausbau der erneuerbaren Energien schafft die Grundlage für dauerhaft attraktive Strompreise, von denen alle profitieren: Unternehmen und private Haushalte. Die Bundesregierung sollte daher unbedingt am eingeschlagenen Ausbaupfad festhalten“, sagt Markus Steigenberger, Geschäftsführer der Agora Think Tanks. Staatliche Zuschüsse, wie die Absenkung der Stromsteuer und Netzentgelte, seien angesichts der gestiegenen Kosten infolge der fossilen Energiepreiskrise zwar „durchaus sinnvoll“. Mittel- und langfristig seien Investitionen in Erneuerbare Energien jedoch besser geeignet, um die Strompreise dauerhaft zu senken.
Ausbaudynamik bei der Windenergie an Land nimmt zu
Aktuell ist die Ausbaudynamik der regenerativen Energien hoch, insbesondere bei der Windenergie an Land erweist sich die Rahmensetzung der Vorgängerregierung als hochwirksam, der Zubau nimmt immer mehr Fahrt auf.
Größere Sorgen gibt es da im Offshore-Bereich, den Zuschlag in der jüngsten Ausschreibung konnte sich TotalEnergies sichern, allerdings lag das, was das Unternehmen für die Fläche zu zahlen bereit war, deutlich unter den Vorrunden: In den Ausschreibungen 2024 zu den Flächen N-12.3 (1 GW) und N-11.2 (1,5 GW) hatten sich sieben und neun Bieter mit Null-Cent-Geboten am dynamischen Gebotsverfahren beteiligt. Die erfolgreichen Bieter hatten damals rund 1,3 Mio. Euro pro Megawatt für die Fläche N-12.3 geboten und knapp 1,1 Mio. Euro pro Megawatt für N-11.2. An der aktuellen Auktion um die Fläche N-9.4 haben sich zwei Null-Cent-Bieter beteiligt. Der Gewinner hat sich mit 180.000 Euro pro Megawatt durchgesetzt. „Die Ergebnisse der Auktion für die Fläche N-9.4 zeigen deutlich, wie stark die Risiken für Offshore-Wind-Entwickler durch geopolitische Spannungen und Lieferengpässe in den letzten Jahren gestiegen sind“, sagt Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO).
Bioenergie-Ausschreibungen: 441 Bieter gehen leer aus
Auch in der Bioenergiebranche sind die Sorgen nach der jüngsten Ausschreibung weiter groß, wieder gingen viele Betreiber leer aus. Bei einer ausgeschriebenen Menge von 187 MW wurden im Zuge der Biomasseausschreibung 685 Gebote mit einer Gebotsmenge von 543 MW eingereicht, 244 Gebote mit 187 MW erhielten einen Zuschlag. Brisant: Zwar hat die alte Bundesregierung noch ein Biogaspaket mit Verbesserungen für die Branche verabschiedet. „Die Anwendung der Regelungen bedarf größtenteils der beihilferechtlichen Genehmigung der Europäischen Kommission“, betont die BNetzA allerdings. „Diese lag bis zum Gebotstermin nicht vor, weshalb die Änderungen im Rahmen der aktuellen Ausschreibungsrunde noch nicht angewandt wurden.“
Frust schiebt auch die Biokraftstoffbranche: Der Referentenentwurf zur Weiterentwicklung der THG-Quote bleibt weit unter den Erwartungen. Der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) ärgert sich über die geplante Absenkung der Obergrenze für Anbaubiomasse-Biokraftstoffe, der Biogasrat+ beklagt eine massive Diskriminierung von fortschrittlichen Biokraftstoffen und biogenem Wasserstoff gegenüber anderen erneuerbaren Kraftstoffoptionen und auch die eFuel Alliance bezeichnet den Entwurf trotz „vereinzelter Fortschritte“ als „insgesamt ambitionslos“. Unter der viel beschworenen „Technologieoffenheit“, die von der neuen Bundesregierung wiederholt als Leitlinie bemüht wurde, haben sich die Verbände offenbar etwas anderes vorgestellt.
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