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Energiewoche 25/2025

EEG-Strom: Direktvermarktungstrends, Preise und die Wirkung auf das EEG-Konto

Der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt weiter gut voran. Inzwischen halten Experten selbst das Erreichen des Windenergieausbauziels von 115 GW im Jahr 2030 für möglich, was noch vor wenigen Jahren illusorisch schien. Doch wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit neuer Anlagen aus? Noch können sich viele Erzeuger auf eine garantierte Förderung verlassen, in wenigen Jahren steht aber eine komplette Revision der EEG-Förderung an.

Der Titelbereich von ContextCrew Neue Energie 25.2025 ist einer Aufbereitung der jüngsten von den Übertragungsnetzbetreibern bekannt gegeben Daten zur Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien gewidmet. Das Zahlenwerk zeigt, dass immer mehr EEG-Strom direkt vermarktet wird, inzwischen sind Anlagen mit einer Gesamtleistung von 121,3 Gigawatt in der Direktvermarktung – davon 78 Prozent in der geförderten und 22 Prozent in der ungeförderten Direktvermarktung.

Immer stärker wird der „Kannibalisierungseffekt“ gerade im Bereich der Photovoltaik. Mehr und mehr Anlagen erzeugen Strom in den gleichen Stunden. Der Effekt ist ein Überangebot an Strom in der Mittagszeit mit der Folge von niedrigen oder negativen Preisen im Stromhandel. Die Capture Rate von PV-Strom ist im Mai auf unter 30 Prozent gesunken. Ungebremst würde der Effekt früher oder später die Wirtschaftlichkeit gerade auch von marktorientierten PPA-Projekten gefährden.

Stromvermarktung durch ÜNB: Mittlerer Vermarktungserlös sinkt von 114,48 Euro/MWh im Februar auf 17,80 Euro/MWh im Mai

Aber auch der geförderte Ausbau belastet im aktuellen Rahmen insbesondere die Systemkosten, wie sich im EEG-Konto zeigt. Hier finden sich auf der Einnahmenseite die Erlöse der ÜNB für den Strom, den sie nach §3 Nr. 2 EEV an die Börsen bringen – also die Strommengen, die nicht der Direktvermarktung unterfallen. Den höchsten Gesamterlös erwirtschafteten die ÜNB im Februar: seinerzeit wurden im Day-Ahead-Handel 1.873 GWh an den Strombörsen verkauft – zu einem mittleren Preis von 114,48 Euro/MWh. Mithin resultierte ein Erlös von 214,4 Mio. Euro. Hinzu kommen weitere 29,0 Mio. Euro, die im Intraday-Handel erwirtschaftet wurden.

Deutlich mehr Strom wurde im Mai von den ÜNB an die Börse gebracht: Hier stieg die zu vermarktende Strommenge auf 6.216 GWh – mehr als dreimal so viel wie im Februar. Der mittlere Vermarktungserlös brach allerdings im Vergleich der beiden Monate ein und lag im Mai nur noch bei 17,80 Euro/MWh. Der Wert des im Day-Ahead-Handel vermarkteten Stroms erreichte damit lediglich 110,6 Mio. Euro – und damit gerade rund die Hälfte der Erlöse aus der Vermarktung der viel geringeren Strommenge im Februar. Weitere 15,2 Mio. Euro brachte die Intraday-Vermarktung im Mai ein.

Der Ausweg aus dem Dilemma liegt in der Stärkung von Flexibilitäten, insbesondere Speicher spielen hier eine zentrale Rolle. Eine aktuelle Studie von enervis im Auftrag von node.energy kommt indes zum Ergebnis, dass die Flexibilitäten zwar zulegen, die Kannibalisierungseffekte aber kurz- und mittelfristig nicht auffangen können.

„Aufgrund sinkender Basepreise und der zunehmenden Kannibalisierung werden EE-Marktwerte aus fundamentaler Sicht kurz- bis mittelfristig nicht ansteigen, sondern sich weiter reduzieren“, prognostizieren die Marktbeobachter von enervis. Somit sinke das Erlösniveau für Erneuerbare im Strommarkt. Die Wind-Profilwerte werden dabei nicht so stark sinken wie die der Photovoltaik. Der Hintergrund ist, dass der Windzubau nicht im gleichen Tempo wie der PV-Zubau erfolgt und die Erzeugungsstruktur heterogener ist als bei Solarstromanlagen.