Die Akzeptanz für die Energiewende ist bei den Bürgern vor Ort weiter hoch. Das ist ein wichtiges Ergebnis einer Befragung unter Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern in Deutschland. Einen Mangel erkennen die mehr als 600 Amtsträger, die sich an einer umfassenden Befragung durch die Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) und den Verein Heimatwurzeln beteiligt haben, an anderer Stelle: Es fehlt an verlässlichen Rahmenbedingungen und kommunikativer Stringenz.
Der Titelbericht von Ausgabe 19.2026 des Brancheninformationsdiensts ContextCrew Neue Energie befasst sich mit der Umsetzung der Energiewende vor Ort – mit ihren Problemen, aber auch erheblichen Chancen für die Kommunen. Eines der Probleme sind mangelnde Kapazitäten im Verteilnetz. Neben physischen Engpässen gibt es aber vor allem auch kommunikative Baustellen. Zwei Drittel der Befragten sind demnach der Meinung, dass die Kommunikation der Bundesregierung zur Energiewende negative Auswirkungen auf diese lokale Akzeptanz hat. „Wenn aus Berlin und den Landeshauptstädten ermutigende Signale kämen, die über Legislaturperioden hinaus verlässlich wären, würde uns das helfen, Menschen vor Ort mitzunehmen“, sagt Anita Maaß, Bürgermeisterin von Lommatzsch im Landkreis Meißen.
In allen abgefragten Bereichen – Stromerzeugung und Netze, Wärmenetze und kommunale Wärmeplanung, Mobilität und Ladeinfrastruktur sowie Finanzierung der Energiewende – fühlen sich die Kommunen zudem von der Bundesregierung unzureichend berücksichtigt. So bewerten 82 Prozent die Berücksichtigung kommunaler Belange bei der Finanzierung der Energiewende als unzureichend.
Die Akzeptanz ist auch ein zentrales Thema rund um die Energiewende im Heizungskeller. Hier soll nun eine Kostenaufteilung zwischen Vermietern und Mietern dazu beitragen, wirtschaftliche Lasten zu teilen und Anreize zum Klimaschutz auf der Vermieterseite zu stärken. Ein Entwurf für das Gebäudemodernisierungsgesetz liegt aber noch immer nicht vor. Stattdessen sollen Fristen im bestehenden GEG verlängert werden. „An dieser Fristverlängerung zeigt sich das größte Problem der aktuellen Energiepolitik: der Stillstand“, kommentierte BEE-Hauptgeschäftsführerin Christine Falken-Großer.
Neueste Entwicklungen bei GMG und THG-Quote im Fokus der Berichterstattung
Der Deutsche Mieterbund (DMB) begrüßt, dass in der jüngsten Einigung der Regierungskoalition in Sachen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) eine Kostenaufteilung zwischen Vermietern und Mietern vorgesehen ist. „Wir erwarten, dass dieses Versprechen mit den Vorschlägen zur hälftigen Aufteilung von CO2-Kosten, Kosten für Netzentgelte und Biogasanteilen zwischen Vermietern und Mietern im weiteren Gesetzgebungsverfahren konsequent und wirksam umgesetzt wird“, sagte DMB-Präsidentin Melanie Weber-Moritz. Die Immobilienbranche bewertet den Kompromiss ganz anders: „Aus Sicht des Immobilienverband Deutschland IVD wird damit die angekündigte Wahlfreiheit im Heizungskeller für Vermieter faktisch wieder einkassiert“, heißt es in einer Mitteilung des IVD.
Derweil begrüßt die Biokraftstoffbranche die Verabschiedung des THG-Quotengesetzes im Bundestag. Stillstand dürfe es aber nicht geben: Die Branche fordert eine zügige Novelle der BiokraftNachV. Solange der erweiterte Vertrauensschutz die nachträgliche Aberkennung von Nachhaltigkeitsnachweisen blockiere, lasse sich auch nachgewiesener Betrug nicht konsequent ahnden, heißt es bei der Initiative Klimabetrug Stoppen. Mit der Verabschiedung des THG-Gesetzes im Bundestag sei ein wichtiger Zwischenschritt für Betrugsprävention getan. Jetzt müsse „das entscheidende Instrument zur Sanktionierung“ erlassen werden. Nur wenn nachweislich gefälschte Nachhaltigkeitszertifikate auch nachträglich aberkannt werden können, lasse sich Betrug wirksam unterbinden. „Sonst drohen die vom Bundestag verabschiedeten Maßnahmen zu verpuffen“, so die IKS.
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