Der Transformationsdruck in Deutschland ist gegenwärtig enorm groß. Die geopolitischen Verwerfungen zeigen immer stärker die Notwendigkeit, europäische Lösungen zu finden, heimische Ressourcen zu nutzen und die Abhängigkeiten von Energielieferungen aus dem nichteuropäischen Ausland Schritt für Schritt zu minimieren. Wie stark Energie inzwischen als strategische Waffe genutzt wird, machte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, auf dem BEE Energiedialog vergangene Woche in Berlin sehr deutlich.
Für die Ukraine ist verfügbare Energie in diesen Tagen schlicht überlebensnotwendig. Makeiev schilderte die Situation in Kiew mit Außentemperaturen von bis zu -15 Grad und 12 Grad in den Wohnungen. Strom stehe nur wenige Stunden zur Verfügung. Deutschland hat im Zuge des russischen Angriffskriegs die strategische Gefahr der extremen Abhängigkeit von Russland bei den Gaslieferungen erkannt und gehandelt. Noch immer ist Deutschland aber viel zu abhängig von fossilen Energielieferungen.
Wetzel: Kabinettsbeschluss zu EEG-Novelle im ersten Quartal angestrebt
Neben der Rede von Makejew waren beim Energiedialog vor allem auch die Ausführungen von Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, mit Spannung erwartet worden. Wetzel erläuterte in groben Zügen, wie der Zeitplan bei der Anpassung gesetzlicher Rahmenbedingungen aussieht. Mit Blick auf die EEG-Novelle sprach er davon, dass man einen Kabinettsbeschluss im ersten Quartal anstrebe. Was beim Energiedialog in Berlin sonst noch zu hören war, ist das Titelthema der Ausgabe 5.2026 von ContextCrew Neue Energie.
Es sei wichtig, das EEG „gründlich auszuarbeiten und zu konsultieren“, so der Staatssekretär. Inhaltlich betonte Wetzel, dass es um den Versuch gehe, Systemkosten zu senken. Preissignale sollten „unverzerrt“ bei den Anlagenbetreibern ankommen. „Ziel ist mehr Markt und mehr Verlässlichkeit“, sagte der Staatssekretär. Im Fokus stehe die Ausarbeitung zweiseitiger Contracts for Difference (CfD).
Batteriegroßspeicher: Systemisches und wirtschaftliches Potenzial groß
Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt der neuen Ausgabe von ContextCrew Neue Energie liegt auf dem Thema Energiespeicher. Hier gibt es unter anderem wichtige Analysen von Ember und Neon/Consentec. In seiner Analyse zum europäischen Strommarkt erkennt der Thinktank Ember erste Anzeichen dafür, dass Batterien beginnen, die Nachfrage in gasintensiven Tagesstunden zu decken. Deutlich werde dies in Italien. Im September 2025 speisten großskalige Batteriesysteme in den frühen Abendstunden (19 bis 20 Uhr) im Durchschnitt 1,1 GW aus. Dies entsprach zwar erst rund 3 Prozent der Nachfrage in diesen Stunden, verglichen mit einem Anteil fossiler Stromerzeugung von 52 Prozent. Mit der Umsetzung der großen Entwicklungspipeline in Italien könnte die Batteriekapazität jedoch nahezu versechsfacht werden, höhere Anteile der Nachfrage während der gasintensiven Spitzenstunden decken und die hohe Abhängigkeit des Landes von teurem Gas verringern.

Die Studie von Neon und Consentec macht deutlich, dass Batteriegroßspeicher in Deutschland Systemkosten senken, Preisschwankungen reduzieren und die Integration erneuerbarer Energien integrieren. „Damit tragen sie wesentlich zur Effizienz und Stabilität des Stromsystems bei.“ Um ihre volle Wirkung entfalten zu können, seien jedoch Anpassungen in der Regulierung von Strommarkt und Stromnetz erforderlich. Die Studie warnt in diesem Kontext vor einer unkoordinierten Entwicklung von Instrumenten zur Erhöhung der Netzdienlichkeit von Großbatteriespeichern. Es bestehe eine reale Gefahr, dass sich die Investitionsbedingungen Großbatteriespeichern in Deutschland deutlich verschlechterten. „Im schlimmsten Fall könnte dies zum Abwürgen des Markthochlaufs der einzigen Assetklasse im Energiesystem führen, in der heute Investitionen ohne Subventionen stattfinden.“
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