Abo

Newsletter

Energiewoche 46/2025

Wie wird ein Konzept für Industriestrompreise zukunftsfest?

Das Thema Industriestrompreis spielte in der vergangenen Woche nicht zuletzt beim „Stahlgipfel“ im Kanzleramt eine wichtige Rolle. Große Konzerne, aber besonders auch der Mittelstand in der energieintensiven Industrie, kämpfen mit im internationalen Vergleich hohen Strompreisen. Aber wie schafft man es, ein Industriestrompreiskonzept zu entwickeln, das nicht nur beihilferechtlich tragfähig ist, sondern den Weg in eine defossilisierte Zukunft weist?

Auf dem Titel von ContextCrew Neue Energie stellen wir ein jetzt vorgestelltes Impulspapier von Agora Energiewende, epico und Marktoffensive Erneuerbare Energien vor, das genau dieser Frage nachgeht. „Ein zukünftiger Industriestrompreis muss auf erneuerbare Energien abstellen und die Marktrealität der erneuerbaren Energien als dominierende Energieträger reflektieren“, betonen die Organisationen. Eine zentrale Rolle spielen dabei Power Purchase Agreements (PPA), für deren Perspektiven auch die anstehende Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von hervorgehobener Bedeutung ist.

Kontexte zum Thema Strompreis:
Die Strompreisentwicklung ist auf verschiedenen Ebenen zentral für die Energiewende. Ihre absolute Höhe ist ein wichtiger Standortfaktor, aber auch die relative Höhe im Vergleich insbesondere zu Erdgas ist wesentlich mit Blick auf die Sektorkopplung. Vor diesem Hintergrund spielt der Blick auf die Strompreise auch für die ContextCrew eine essenzielle Rolle. Aus der aktuellen Berichterstattung:

  • Energiepreis-Spektrum: Preisverläufe im Fokus: Fortlaufend aktualisiert wird das Energiepreisspektrum; aktuelle Informationen zu wichtigen Energiepreistrends (inklusive Strompreis) werden in der Übersicht abgebildet.
  • Oktober: Marktwert Solar zieht an Marktwert Wind vorbei: Die Marktwerte für EEG-Strom sind die für EEG-Anlagenbetreiber besonders relevanten Strompreise, deren Höhe sich aus den Preisbewegungen im Großhandel ergibt. Die Entwicklung zeigt insbesondere im Bereich der Photovoltaik ein starkes jahreszeitliches Muster: Im Sommer sinken die Marktwerte und die Capture-Rate von Solarstrom deutlich mit großem Angebot an Solarstrom.
  • Günstige Industriestrompreise mit Stärkung von Erneuerbaren und PPAs: Im politischen Bereich ist der Strompreis ein zentrales Thema. Gerade die Industrie ist auf günstige Strompreise angewiesen, weswegen auch die neue Bundesregierung – wie zuvor schon die Ampel – das Thema Industriestrompreis auf die Agenda genommen hat. Auch das Titelthema von ContextCrew Neue Energie 47.2025 greift die Debatte anhand eines aktuellen Vorschlags auf.
  • Netzumlagen steigen 2026 um rund 18 Prozent: Von wachsender Bedeutung für die Strompreise sind die Netzkosten; der Ersatz der in die Jahre gekommenen Netzinfrastruktur und der für die dezentrale Energiewende erforderliche Ausbau der Netze sind ein Kostenfaktor, der auf den Strompreis umgelegt wird.
  • Sieben zentrale Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise: Welche Hebel mittel- und langfristig die Strom- und Energiepreise senken, ist auch auf der europäischen Ebene ein heißes Diskussionsthema. Die Kommission hat hierzu Ende Oktober einen aktuellen Überblick gegeben.

Industriestrompreis und die Flexibilitäten: Verlässlichkeit erforderlich

Viele Industrien sind auf kontinuierliche Stromlieferungen angewiesen, es bedarf also einer deutlich erhöhten Flexibilität im System, die kurz- und mittelfristige Stromengpässe managt. Besonders für die Überbrückung kürzerer Phasen sind Batteriespeicher das Mittel der Wahl. Die Entwicklung geht aktuell in atemberaubendem Tempo vonstatten. In Förderstedt wurde der Baustart eines 300 MW / 700 MWh BESS gefeiert. Und kurz danach gaben Fluence und LEAG bekannt, dass sie einen 1.000 MW / 4.000 MWh Großbatteriespeicher errichten wollen.

Für längere Phasen von Stromengpässen kommen unter anderem Biogas und Biomethan in Betracht. Die Mittelfristprognose der ÜNB macht erstmals einen Trend in Richtung Flexibilisierung des Anlagenbestands spürbar: Die installierte Bioenergieleistung am Strommarkt liegt im Jahr 2030 mit 10 GW rund 1,5 GW über dem heutigen Niveau – die Stromerzeugung steigt aber kaum mehr und das Fördervolumen geht sogar zurück. Doch die Freude darüber wird in der Branche zunichte gemacht durch den Entwurf des BMWE zur Weiterentwicklung der Gasnetze, der die Bedingungen für die Biomethaneinspeisung deutlich verschlechtert.

Biomethan gegen die Dunkelflaute? Ohne Netzzugang klappt es nicht

Das Hauptstadtbüro Bioenergie reagiert mit Entrüstung auf den Gesetzentwurf und spricht von einem „Kahlschlag bei Biomethan“. „Das Wirtschaftsministerium plant eine dramatische Verschlechterung der Regelungen zum Zugang zu Gasnetzen für Biomethananlagen“, kommentierte Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie. „Wie kann man einerseits in allen Sektoren grüne Gase wie Biomethan im großen Stile einplanen und gleichzeitig den Zugang zum Netz so dermaßen erschweren wollen?“