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Energiewoche 14/2025

Was bedeuten Ergebnisse der Koalitionsgespräche für den Ausbau der Erneuerbaren?

Die Koalitionsverhandlungen sind in vollem Gange und die 16 Verhandlungsarbeitsgruppen mit ihren insgesamt 256 Mitgliedern haben die Ergebnisse ihrer Verhandlungen in Ergebnispapieren festgehalten. Sie zeigen, auf was sich Union und SPD bereits einigen konnten – und welche Themen auf höchster Ebene geklärt werden müssen. Auch für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien zeichnen sich die Konturen des Kompromisses zunehmend deutlich ab.

In einem Sonderthemenbereich stellen wir im Titelbereich von ContextCrew Neue Energie 14.2025 den aktuellen Zwischenstand vor. Aller Wahlkampfrhetorik zum Trotz zeigen die bereits geeinten Aspekte der Verhandlungen im Kern das Festhalten an einem raschen Ausbau der erneuerbaren Energien als Fundament für eine schnelle Dekarbonisierung des Energie- und Wirtschaftssystems.

Erneuerbare: Schwerpunktsetzung dürfte stärker in Richtung „netzdienlicher Ausbau“ gehen

Dennoch wird sich unter der neuen Bundesregierung einiges ändern, auch wenn der von der Union propagierte „Neustart der Energiewende“ etwas hoch gegriffen – und darüber hinaus auch nicht zielführend sein dürfte. Die Schwerpunktsetzung dürfte unter dem Einfluss der Union stärker in Richtung eines „netzdienlichen“ Ausbaus gehen, was unter dem Strich bedeuten könnte, dass die Zubaudynamik gebremst wird. Angekündigt ist ein Monitoring, das bis zur Sommerpause den zu erwartenden Strombedarf bewerten soll. Sollte dies zu einer Absenkung der bisherigen Prognosen führen, könnte sich dies auf das Zubautempo auswirken.

Vor einer entsprechenden Verringerung des Ausbautempos warnt nicht zuletzt der Bundesverband Windenergie. Für die Herausforderungen beim Netzausbau gebe es Antworten, die die künftige Koalition in der Überbauung von Netzverknüpfungspunkten bei der Ertüchtigung des Verteilnetzes und mit der Erleichterung für Energiespeicher bereits „klar trifft“. „Dies begrüßen wir genauso wie die Zusage, Schwertransporte weiter zu beschleunigen.“ Unverständlich ist aus BWE-Sicht die „offenbar noch nicht geklärte Debatte zur Kontinuität beim Flächenziel von zwei Prozent“. Obwohl in allen Bundesländern die Regional- und Landesplanung mit hohem Engagement die erforderlichen Flächen für die Windenergie umsetzt, scheine es innerhalb der Arbeitsgruppe eine nicht abgeschlossene Grundsatzdebatte gegeben zu haben. „Am Flächenziel ist festzuhalten“, betont BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek.

Die neue Bundesregierung will stärker als die Ampelregierung das komplette Erneuerbaren-Spektrum für die Energiewende ausschöpfen, was insbesondere Perspektiven für Bioenergie, Geothermie und Wasserkraft schaffen könnte. „Wir wollen alle Potenziale der Erneuerbaren Energien nutzen“, heißt es im Ergebnispapier der Arbeitsgruppe 15 Klima und Energie. „Dazu gehören Sonnen- und Windenergie sowie Bioenergie, Geothermie, Wasserkraft sowie aus diesen hergestellte Moleküle.“

Finale Investitionsentscheidung für weltweit größtes Beccs-Projekt

Für die Bioenergie ist auf längere Sicht auch die Kombination mit CCS-Technologien eine mögliche Perspektive, auch wenn das aktuell noch Zukunftsmusik ist. Für das weltweit größte Bioenergie-CCS (Beccs)-Projekt ist jetzt die finale Investitionsentscheidung getroffen worden. Bei dem Projekt wird die Kohlenstoffabscheidungslösung von Capsol Technologies eingesetzt, um ab 2028 jährlich 800.000 Tonnen CO2 dauerhaft zu entfernen, berichtet der Technologieanbieter.

Den Angaben zufolge bestehen Abnahmevereinbarungen mit Microsoft und der Frontier Group. Das Projekt von Stockholm Exergi hat 180 Mio. Euro aus dem EU-Innovationsfonds erhalten und verfügt über langfristige Abnahmeverpflichtungen von Microsoft (3,33 Mio. Tonnen) und der Frontier Group (ca. 50 Mio. US-Dollar), zu der Meta, Stripe, Alphabet, Shopify und McKinsey gehören. Das Projekt schaffe einen „weltweiten Präzedenzfall für den Einsatz von Beccs“, sagt Wendy Lam, CEO von Capsol Technologies. Für den Transport und die dauerhafte Speicherung des im Biomasse-Heizkraftwerk in Stockholm Värtan abgeschiedenen CO2 hat Stockholm Exergi eine 15-jährige Vereinbarung mit dem CCS-Projekt Northern Lights in Norwegen getroffen. Das CO2 soll per Schiff zu den dortigen Speichern transportiert und in einer geologischen Formation unter dem Meeresboden eingelagert werden.