Die Offshore-Windenergiebranche ist in besonderem Maß auf stabile politische Rahmenbedingungen angewiesen. Aufgrund der langen Planungs- und Investitionszeiträume sowie der komplexen, international verzahnten Lieferkette reagiert die Branche besonders sensibel auf häufige oder kurzfristige Änderungen im regulatorischen Umfeld. In der Vergangenheit haben Anpassungen bei Förderinstrumenten und Zielvorgaben bereits zu einem Fadenriss mit Verunsicherung und Projektverzögerungen geführt. Dies darf sich aus Sicht der Branche nicht wiederholen.
Der Titelbereich von ContextCrew Neue Energie ist in Ausgabe 22.2025 dem aktuellen Status und der Debatte rund um die Offshore-Windenergie gewidmet. Am Rande der Branchenkonferenz „Zukunft Offshore“ hat der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) Forderungen an die neue Bundesregierung formuliert. Im Zentrum steht der Appell, nicht am Ausbauziel von mindestens 40 GW bis 2035 zu rütteln. „Wir brauchen stabile politische Rahmenbedingungen – kein Hin und Her bei Ausbauzielen im Legislaturentakt“, sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm. „Nur wenn die Regierung Kurs hält, kann Offshore-Wind Milliardeninvestitionen in Produktion, Logistik und Netzinfrastruktur in Europa auslösen.“
Ausbaustatus weltweit: Laut dem kürzlich veröffentlichten Global Offshore Wind Report 2024 des World Forum Offshore Wind (WFO) sind im Jahr 2024 weltweit 31 neue Offshore-Windparks mit einer Gesamtleistung von 11,1 Gigawatt (GW) in Betrieb genommen worden. Damit erhöhte sich die global installierte Offshore-Windkapazität zum Jahresende 2024 auf insgesamt 78,5 GW.
Europäischer Markt: In Europa wurden 2024 insgesamt 3,8 GW Offshore-Windleistung neu installiert. Großbritannien führte das europäische Wachstum mit rund 1,8 GW an, gefolgt von den Niederlanden (944 MW). Erstmals wurde auch in Frankreich ein kommerzieller schwimmender Offshore-Windpark in Betrieb genommen: „Provence Grand Large“ mit einer Leistung von 25 MW. Die europäische Windindustrie hat im April eine neue Vereinbarung vorgeschlagen, um den Ausbau der einheimischen und wettbewerbsfähigen Offshore-Windenergie zu beschleunigen und abzusichern.
Deutscher Markt: Nach Erhebungen des Beratungsunternehmens Deutsche WindGuard haben im vergangenen Jahr in Deutschland insgesamt 73 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 742 MW erstmals ins Stromnetz eingespeist. Zusätzlich sind zum Jahresende 66 Fundamente installiert und 81 Anlagen errichtet, die noch keinen Strom eingespeist haben. In Summe sind damit in Deutschland Ende 2024 1.639 Anlagen mit einer Leistung von 9,2 GW installiert.
Debatte über Rahmenbedingungen:
- Offshore-Branche: Ausbauziele beibehalten und Ausschreibungsdesign korrigieren (Mai 2025)
- Offshore-Windenergie: Welche Korrekturen am Ausschreibungsdesign sind zielführend? (Mai 2025)
- „Overplanting“: Offshore-Windbranche nicht abgeneigt – bei ausreichendem Gestaltungspielraum (Februar 2025)
Rückschläge am Markt:
Verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen würden durch zweiseitige Differenzverträge (CfDs) als Vergütungsmodell neben den langfristigen Stromabnahmeverträgen (PPAs) geschaffen, führt der BWO aus. Für die Finanzierung des Hafenausbaus sollte die Bundesregierung ein Sonderprogramm der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW)“ auflegen, fordert die Branche weiter. Ein solches GRW-Sonderprogramm „Häfen für die Energiewende“ könne unter anderem aus Offshore-Wind-Auktionseinnahmen finanziert werden.
Stiftung Offshore-Windenergie quantifiziert Risiken des Ausschreibungsdesigns
Ein Hemmschuh für die Offshore-Branche ist auch das gegenwärtige Ausschreibungsdesign. Hierzu hat die Stiftung Offshore-Windenergie eine Studie vorgelegt, die „erhebliche Risiken“ des Auktionsdesigns in seiner jetzigen Form identifiziert und quantifiziert. Mit der Frage, wie die Offshore-Elektrolyse als Systemlösung etabliert werden könnte und was dafür zu tun ist, befasst sich ein aktuelles Positionspapier des „Wasserstoffachters“. Die Initiative fordert eine systemintegrierte Planung für die Zonen 4 und 5 der deutschen AWZ, inklusive kombinierter Anschlusskonzepte aus Seekabeln und Wasserstoffpipelines.
Wie der H2-Hochlauf insgesamt angeschoben werden könnte, hat der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) in einem eigenen Papier zum Thema gemacht. Der grüne Wasserstoff sollte sowohl strombasiert als auch biogenen Ursprungs sein können, lautet eine der BEE-Empfehlungen.
- Offshore-Branche: Ausbauziele beibehalten und Ausschreibungsdesign korrigieren
- Energiepflanzenanbau sinkt 2024 leicht auf 2,09 Mio. Hektar
- VDE-Hintergrundpapier zu Netzstabilität bringt „technische Klarheit in hitzige Debatte“
- Sieben Maßnahmen zur Stärkung des Wasserstoffhochlaufs
- Abschaffung des „Heizungsgesetzes“ und „neues“ GEG: „Es besteht Klärungsbedarf“