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Energiewoche 06/2026

Offshore-Windenergie: Zwischen Rückenwind und Realitätscheck

Es sind bewegte Tage für die Offshore-Windenergie: Am Montag der vergangenen Woche fand der Nordsee-Gipfel in Hamburg statt, am Dienstag zog die Offshore-Branche Bilanz über das Jahr 2025 und am Mittwoch beschloss das Bundeskabinett die Verschiebung der Ausschreibung von Offshore-Windflächen. Das Gesamtbild ist vielschichtig: Der Nordsee-Gipfel bringt neue Impulse für eine effizientere und günstigere Ausbauentwicklung, auch das Aufschieben der Ausschreibung trifft in der Branche auf Zustimmung. Auf der anderen Seite stehen zuletzt gestiegene Kosten und Fragen nach einem ökonomisch und gesellschaftlich optimalen Ausbaupfad.

In der Ausgabe 6.2026 von ContextCrew Neue Energie beleuchten wir im Titelbereich den aktuellen Status der Offshore-Windenergie in Deutschland. Es ist in den zurückliegenden Jahren einiges nicht glatt gelaufen in der Branche, die letzte Ausschreibung endete mit einem Debakel, zudem sind Kosten für Anlagentechnik und Installationen in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr weiter gesunken. Der VKU fordert bereits einen „Realitätscheck“ in Sachen Offshore-Windenergie.

(Quelle: Deutsche WindGuard / Stiftung Offshore-Windenergie)

Die im Auftrag der Branche vom Beratungsunternehmen Deutsche WindGuard aufbereiteten Zahlen zeigen, dass im abgelaufenen Jahr in Deutschland 41 neue Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 518 MW ans Netz gegangen sind. Zum Jahresende waren 65 Fundamente installiert. 19 Anlagen mit zusammen 278 MW Leistung wurden errichtet, haben aber noch keinen Strom eingespeist. In Summe waren in Deutschland Ende 2025 1.680 Anlagen mit einer Leistung von 9.740 Megawatt installiert.

Offshore-Windenergie: 30 GW Ausbauziel bei installierter Leistung wird frühestens 2032 erreicht

Die Branche selbst bleibt durchaus optimistisch. Zwar werde das Ausbauziel für 2030 mit 30 GW installierter Leistung nicht erreicht, aber es könnte bereits 2032 so weit sein – angesichts von Verzögerungen bei anderen Großprojekten in Deutschland durchaus verschmerzbar. Mit geeigneten Rahmenbedingungen könnte zudem ein konstanter – und günstigerer – Ausbau erreicht werden, verspricht die Branche. Auf dem Nordsee-Gipfel wurden entsprechende Vereinbarungen getroffen. Der Fokus liegt auf besserer und grenzübergreifender Zusammenarbeit in Europa. Der Nordsee-Gipfel machte deutlich, dass die Politik in der Offshore-Windenergie angesichts wachsender geopolitischer Gräben eine wertvolle heimische Ressource erkennt.

Genau darum geht es auch der Bioenergiebranche: Der Landscape Report von Bioenergy Europe unterstreicht die zentrale Rolle von Biomasse als heimischer Ressource, mit der die Resilienz der Versorgung gestärkt und Wind- und Solar-basierte Energiesysteme gestützt werden können. Biomasse verbinde inländische Verfügbarkeit mit geringer Importabhängigkeit (fünf Prozent Abhängigkeit und ein Prozent der Nettoimporte) und sei damit eine „praktikable Option, um die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks zu verringern und gleichzeitig den Ausstieg aus importierter fossiler Wärme zu beschleunigen“.