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Energiewoche 03/2026

Stand der Energiewende: Von der Bilanz für 2025 zu den Aufgaben für 2026

Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt, die Zahl der Auswertungen und Analysen zum Status der Energiewende Ende 2025 ist aber bereits groß. Nachdem das Fraunhofer ISE traditionell schon zum Jahreswechsel erste Zahlen zum Gesamtjahr 2025 veröffentlicht, liegen inzwischen weitere Bestandsaufnahmen vor. So hat die Bundesnetzagentur die Entwicklungen am Strommarkt im abgelaufenen Jahr aufbereitet und vorläufige Zahlen zum Ausbau der installierten Erneuerbaren-Leistung präsentiert. Auch die Denkfabrik Agora Energiewende lässt nicht auf sich warten und hat den „Stand der Dinge“ in Sachen Energiewende ermittelt.

Das Fazit der verschiedenen Auswertungen lautet: der Umbau des Energie- und Wirtschaftssystems in Richtung defossilisierter Versorgungsstrukturen geht mit gutem Tempo voran, aber berauschend ist die Entwicklung 2025 nicht gewesen. Die neue Bundesregierung betont die Bedeutung eines systemorientierten Ansatzes der Transformation, der nicht das quantitative Ausbautempo, sondern Funktionalität, Versorgungssicherheit und „bezahlbare“ Energiepreise in den Vordergrund stellt.

Für die Erneuerbare-Energien-Branche selbst steht außer Frage, dass auch ein veränderter Blickwinkel auf die Transformation nichts an der Notwendigkeit des beschleunigten Erneuerbaren-Ausbaus ändert. Allerdings bemüht sich auch die Branche, den Fokus stark auf Möglichkeiten einer qualitativen Optimierung des Umbauprozesses zu lenken, wobei hier „Flexibilität“ und „Systemdienlichkeit“ als Schlagworte eine wichtige Rolle spielen.

BEE-Empfehlungen zur EEG-Novelle

Wie genau der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) die erforderlichen Stellschrauben justieren will, hat der Dachverband zum Jahresstart in einem Positionspapier ausformuliert, dessen Kernaussagen wir auf dem Titel von ContextCrew Neue Energie 3.2026 herausgearbeitet haben. Im Kern geht es um folgende Punkte:

1. EE-Ausbauziele: „Die im EEG festgelegten Ziele für den Ausbau Erneuerbarer Energien müssen beibehalten und der EE-Ausbau kontinuierlich und planungssicher fortgeführt werden“, fordert die Erneuerbaren-Branche. Bei der Stromprognose müssten sowohl alle fluktuierenden und steuerbaren EE als auch Puffer für Anreize zur Elektrifizierung und die Ansiedlung von Zukunftstechnologien einbezogen werden.

2. Gesicherte Leistung: Steuerbare erneuerbare Energien könnten sektorenübergreifend einen signifikanten Beitrag für die Versorgungssicherheit leisten, „wenn ihnen die entsprechenden Leitplanken gegeben werden“, heißt es weiter. „Dafür werden unbürokratische Übergangs- und Nachfolgeregelungen sowie eine konsistente Strategie für Ausbau und Flexibilisierung der vorhandenen Potenziale benötigt.“

3. Regionale Steuerung: „Das Energiesystem der Zukunft ist dezentral aufgebaut, was eine Reihe von Vorteilen mit sich bringt und neue lokale Möglichkeiten schafft“, betont der BEE. Wertschöpfung, Beteiligung und unmittelbare Energieversorgung könnten durch Instrumente wie Energy Sharing oder Bürgerbeteiligung auf regionaler Ebene konzipiert werden und die Akteursvielfalt in der Energiewende hochhalten.

4. Finanzierungsinstrumente: Für die „unabdingbar notwendige Planungssicherheit und Investitionssicherheit“ müsse ein verlässliches Förder- bzw. Absicherungssystem gegeben sein. „Das aktuelle System muss grundlegend erhalten und Optimierungspotenziale ausgeschöpft werden“, fordert der Verband. Die richtige Ausgestaltung von CfDs könne hier weiterhelfen, vor allem gegen negative Strompreise und Redispatch.

5. Netzausbau: Um Netzbetriebs- und Netzausbaukosten zu senken, müsse die vorhandene Infrastruktur besser ausgelastet und der Betrieb optimiert werden. „Dafür braucht es eine praxistaugliche Weiterentwicklung der Überbauung von Netzverknüpfungspunkten und Verbindlichkeit bei der Standardisierung der Netzanschlussverfahren auf allen Netzebenen.“ Zudem sorgten höhere Transparenz sowie die flächendeckende Digitalisierung für vereinfachte, beschleunigte und flexiblere Prozesse. Voraussetzung für eine räumlich effiziente Netznutzung sei eine transparente Information der Netzbetreiber über die regionale und technische Auslastung des Netzes.

6. Flexibilitäten: Die bisher ungenutzten Potenziale von Flexibilitäten auf der Erzeugungs-, Transport- und Verbrauchsseite könnten für die System- und Netzdienlichkeit weiterhelfen, womit die Gesamtoptimierung und die Kostensenkung voranschreiten würden. „Das EEG kann hier Anreize für stetige Erzeugung und komplementäre Flexibilitäten setzen.“

7. Umsetzung des NZIA: „Netto-Null-Technologien“ sollten aus geostrategischen und sicherheitspolitischen Gründen verstärkt innereuropäisch produziert werden, betont der BEE. Die nationale Umsetzung des NZIA müsse dabei nicht-preisliche Kriterien aufstellen, die resiliente Lieferketten und Cybersicherheit fokussiert voranbringen, während gleichzeitig die Komplexität und Bürokratie gering bleibt.