Das Thema Klimaschutz hat in diesen Tagen keinen leichten Stand. Angesichts geopolitischer Verwerfungen und wachsender internationaler Spannungen auch im Handelsbereich nehmen in der Industrie die Sorgen zu, dass die Kosten der Transformation die Wettbewerbschancen beeinträchtigen könnten. Die IEA hat in ihrem Bericht „Renewables 2025“ jetzt auch die Ausbauprognosen für erneuerbare Energien reduziert. Unter dem Strich steht aber ein sehr robuster Trend: An den erneuerbaren Energien kommt längst niemand mehr vorbei. Auch die Industrie wird sich fragen müssen, ob weniger Klimaschutz und ein langsamerer Ausbau der erneuerbaren Energien mittel- und langfristig wirklich die Wettbewerbsfähigkeit erhöht.
Der Titel von ContextCrew 42.2025 fasst die Kernaussagen der IEA-Analyse zusammen. Mit China und insbesondere den USA fallen zwei weltweite Schwergewichte hinter frühere Ausbauprognosen zurück. Während es in den USA unter der Trump-Regierung zunehmend strukturelle Sorgen um die Marktentwicklung der regenerativen Energien gibt, ist der Trend in China auch Ergebnis eines geänderten Förderrahmens für die Erneuerbaren. Ungeachtet dessen bleibt China der mit großem Abstand bedeutendste Markt für erneuerbare Energien weltweit.
- Weltweiter Erneuerbaren-Ausbau boomt trotz einbrechendem US-Markt weiter (Oktober 2025): Die installierte Leistung erneuerbarer Energien dürfte sich nach Einschätzung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) bis 2030 mehr als verdoppeln. Allerdings sei der Sektor mit Gegenwind in den Bereichen Lieferketten, Netzintegration und Finanzierung konfrontiert, heißt es im jetzt vorgelegten Bericht „Renewables 2025“. Während die Ausbauprognose für die USA und China reduziert wurde, gibt es eine kompensierende Gegenbewegung im Rest der Welt.
- Ember: Zuwachs Erneuerbarer übertrifft im ersten Halbjahr Zuwachs der Nachfrage (Oktober 2025): Das Wachstum von Solar- und Windkraft hat im ersten Halbjahr 2025 das weltweite Wachstum der Stromnachfrage übertroffen. Das zeigen aktuelle Analysen des britischen Thinktanks Ember. Allein die Solarenergie deckte 83 Prozent des Nachfrageanstiegs – viele Länder stellten dabei neue Rekorde auf. Die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen blieb insgesamt weitgehend stabil, mit einem leichten Rückgang.
- Rekord bei Investitionen in Erneuerbare: Europa profitiert – USA unter Druck (September 2025): Eine neue Auswertung von BloombergNEF (BNEF) zeigt, dass die globalen Investitionen in neue Projekte der erneuerbaren Energie in der ersten Hälfte des Jahres 2025 einen neuen Höchststand erreicht haben. Insgesamt flossen 386 Mrd. US-Dollar in neue erneuerbare Energieprojekte – das sind rund 10 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig zeichnet sich eine Neuverteilung der Investitionsströme ab. Während Investitionen in den USA im ersten Halbjahr um 36 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2024 sanken, legten sie in der EU-27 deutlich zu – plus 63 Prozent über denselben Zeitraum.
- Beitrag der Erneuerbaren zur globalen Stromproduktion wächst jährlich um 1.000 TWh (August 2025): Die weltweite Stromnachfrage dürfte in den Jahren 2025 und 2026 deutlich schneller steigen als im vergangenen Jahrzehnt. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Energie-Agentur (IEA) in ihrem jetzt vorgelegten „Electricity Mid-Year Update 2025“. Die IEA rechnet mit einem Anstieg der Stromnachfrage von 3,3 Prozent im Jahr 2025 und 3,7 Prozent im Jahr 2026. Die Rolle der erneuerbaren Energien wächst in diesem Umfeld dramatisch. Jährlich steigt der Beitrag der Erneuerbaren zur globalen Stromerzeugung gegenwärtig um mehr als 1.000 TWh: 2024 wurden 4.000 TWh überschritten, 2025 sind es mehr als 5.000 TWh und 2026 dann schon mehr als 6.000 TWh Grünstrom.
- REN21: „Beunruhigendes“ Gesamtbild trotz dynamischem Erneuerbaren-Ausbau (Juni 2025): Im vergangenen Jahr wurden weltweit 740 Gigawatt neue Stromleistung aus erneuerbaren Energien installiert, so viel wie nie zuvor in einem Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Bericht des Netzwerks REN21. Mehr als drei Viertel dieses Wachstums entfielen auf Photovoltaik, was sinkende Technologiekosten sowie steigende Nachfrage widerspiegelt. Dennoch reiche dieser Rekord nicht aus, um das globale Ziel zu erreichen, die Kapazität erneuerbarer Energien bis 2030 zu verdreifachen.
Die jüngsten Analysen des britischen Thinktanks Ember unterstreichen die Bedeutung des enormen Zubaus, der nicht zuletzt auf wachsende ökonomische Vorteile von Wind- und Solarstrom zurückzuführen ist. Demnach ist das weltweite Wachstum der Stromnachfrage in den ersten sechs Monaten des Jahres durch den Zuwachs an regenerativ erzeugtem Strom mehr als kompensiert worden, die Menge fossiler Brennstoffe, die zur Stromerzeugung eingesetzt wurde, ist gesunken – wenn auch nur leicht.
Zuwachs Erneuerbarer größer als Zuwachs der Stromnachfrage
Dem Ersatz von Erdgas dient auch die verstärkte Nutzung von Biogas. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht indes erhebliche Probleme durch Methan-Lecks an den Biogasanlagen. Die Branche nimmt das Thema sehr ernst – widerspricht aber Darstellung und Implikationen der DUH. Der Verband wirft der DUH und den zugrunde liegenden Studien „gravierende methodische Mängel“ vor. So stammten die verwendeten Messdaten größtenteils aus den Jahren 2006 bis 2019 und spiegelten nicht den heutigen Stand der Technik wider. Auch sei bei den „Whole-Site“-Messungen unklar, ob die gemessenen Methankonzentrationen tatsächlich von Biogasanlagen stammten oder von anderen Quellen wie Tierhaltung, Kläranlagen oder Erdgasnetz. Darüber hinaus berücksichtige die DUH Extremwerte statt Durchschnittswerte und nutze einen unüblichen Klimafaktor (GWP 20 statt GWP 100), um Methanemissionen „übertrieben darzustellen“, so der Fachverband Biogas weiter.
- Weltweiter Erneuerbaren-Ausbau boomt trotz einbrechendem US-Markt weiter
- Ember: Zuwachs Erneuerbarer übertrifft im ersten Halbjahr Zuwachs der Nachfrage
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- Methan-Leckagen: Fachverband Biogas weist Vorwürfe aus neuer DUH-Studie zurück
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