Der Bundesrechnungshof hat sich das Thema Wasserstoffhochlauf vorgenommen und kommt zu einem düsteren Ausblick. Die Wasserstoffstrategie müsse einem „Realitätscheck“ unterzogen werden, greift die Behörde eines der aktuell stark frequentierten Buzzwords in der Energiebranche auf. Die Regierung solle prüfen, welchen Beitrag die Wasserstoffwirtschaft zur Energiewende insgesamt leisten könne – und gegebenenfalls einen „Plan B“ entwickeln, wenn die Wasserstoffstrategie scheitert.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat auf die Eingaben des Rechnungshofs reagiert – und der Replik ist der Titel der Ausgabe 45.2025 von ContextCrew Neue Energie gewidmet. „Grüner Wasserstoff ist eine Zukunftsinvestition – in Klimaschutz, wirtschaftliche Stärke und Versorgungssicherheit“, betont die neue BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser. Eine heimische grüne Wasserstoffwirtschaft hätte „erhebliche Vorteile“ für die deutsche Volkswirtschaft.
- PoWerD-Potenzialatlas für optimale Elektrolyse-Standorte, Fraunhofer ISE u.a.: Die interaktive Karte bietet eine Übersicht über geeignete Elektrolyse-Standorte, wobei zwischen einer Potenzialanalyse und einem systemischen Ansatz unterschieden wird.
- Digitaler Kartensatz Quo vadis deutsche Wasserstoffwirtschaft?, Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL): Aktuelle Deutschlandkarten zeigen den derzeitigen Stand der Anlagen und die geplanten Wasserstoffprojekte.
- H2-Marktindex, dvgw u.a.: Um den Wasserstoffhochlauf in Deutschland und die Wahrnehmung der Marktakteure messen zu können, ist ein H2-Marktindex ermittelt worden.
- Übersicht über geförderte Projekte der Hy2Infra-Welle der Wasserstoff-IPCEIs der EU-Kommission, BMWK: Welche deutschen Projekte sind in der Hy2Infra-Well der Wasserstoff-IPCEIs berücksichtig worden? Eine Übersicht
- EWI Global PtX Cost Tool, EWI: Das EWI Global PtX Cost Tool V2.0 liefert Szenarien für die globale Versorgung mit grünem Wasserstoff und Wasserstoffderivaten aus Wind- und Solarenergie. Das Tool ermöglicht die Analyse der Produktionskosten und des Produktionspotenzials von 117 Herkunftsländern sowie der Kosten für den Transport aus diesen Herkunftsländern in 19 Zielländer.
Aus Sicht des BEE schafft sie Wachstumsperspektiven für deutsche Unternehmen, zehntausende neue Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette, verringert gleichzeitig die Abhängigkeit von Energieimporten und trägt damit maßgeblich zur Resilienz des Energiesystems bei. Besonders energieintensive Industrien, wie zum Beispiel die chemische Industrie oder die Aluminiumindustrie, sind auf grünen Wasserstoff zur Dekarbonisierung ihrer Prozesse angewiesen.
„Wasserstoff braucht in seiner Einführungsphase andere Maßstäbe als ein ausgereifter Markt“
Der BEE steht mit seiner Bewertung nicht allein. „Wasserstoff braucht in seiner Einführungsphase andere Maßstäbe als ein ausgereifter Markt“, heißt es beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Technologien im Aufbau müssten sich zunächst technologisch, infrastrukturell und industriell etablieren, bevor sie sich vollständig dem Wettbewerbsdruck stellen können. Eine Bewertung allein nach heutigen Kosten- und Marktparametern sei daher nicht angemessen. „In diesem Kontext greift die Kritik des Bundesrechnungshofs hinsichtlich der heutigen hohen Kosten zu kurz.“
Der BEE betont zudem, dass grüner Wasserstoff eine dringend benötigte Flexibilität im Energiesystem darstellt. Gerade auch für Phasen der Dunkelflaute könnten mit grünem H2 betriebene Kraftwerke langfristig eine Lücke im Flexibilitätsportfolio schließen. Allerdings fällt diese Lücke womöglich kleiner aus, als gedacht. Grund ist, dass auch Batteriespeicher in der Dunkelflaute eine wichtige Flexibilität darstellen. Nach einer Analyse von Eco Stor lassen sich bereits mit 60 GW installierter Kurzzeitspeicherleistung – bei zwei bis vier Stunden Kapazität – bis zu 20 GW an gesicherter Backup-Leistung einsparen. Bei einem Ausbau auf 100 GW sinkt der Bedarf sogar um bis zu 24 GW.
- „Grüner Wasserstoff zentral für Energiewende und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands“
- Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft nicht im Plan – Risiken für Energiewende und Haushalt
- MVV beauftragt Strabag mit Bau zweiter Flusswärmepumpe
- Innovationsbündnis „biogeniV“ erforscht grünes Methanol aus Biogasanlagen
- KW 44: Nach Rekorden bleibt Windstromerzeugung hoch