Mit Forschungsförderung und der Festlegung von Standards will die EU-Kommission dazu beitragen, eine eigenständige europäische Produktion von Batterien aufzubauen. Für den 24. Januar 2019 kündigte die Kommission die Ausschreibung von 114 Mio. € aus dem Forschungsprogramm „Horizont 2020“ für die Entwicklung von Batterietechnologie an.
2020 soll es nochmals 70 Mio. € geben, in der EU-Finanzplanungsperiode ab 2021 möchte die Kommission eine feste „Batterienpartnerschaft“ im Forschungsbudget einrichten, teilte sie am 15. Oktober nach einem Treffen der vor einem Jahr angeschobenen EU-Batterienallianz von Politik und Industrie mit.
Ökodesign-Vorgaben sollen Mindeststandards sicherstellen
Durch neue Ökodesign-Vorgaben sollen Mindeststandards für Leistung und Nachhaltigkeit von Batterien gesetzt werden, die in der EU auf den Markt kommen, hieß es weiter. Eine vorbereitende Studie dafür werde am 20. Dezember bei einer Branchenkonferenz in Brüssel präsentiert. Auch die Industrie habe in den vergangenen zwölf Monaten etliche Initiativen auf den Weg gebracht, bilanzierte der für die Energieunion zuständige Kommissionsvizepräsident Maroš Šefčovič. „Ich bin stolz, die durch die Batterienallianz ausgelöste Dynamik zu sehen“, sagte er.
Bereits im Bau sei eine Demonstrationsfabrik für Batteriezellen durch Northvolt und ABB in Nordschweden. Das Projekt wird von der Europäischen Investitionsbank mit einem Kredit von 52,5 Mio. € unterstützt. In der zweiten Jahreshälfte 2019 soll laut Kommission die Produktion starten und inzwischen gebe es die Genehmigung für den Bau einer größeren Anlage, mit der die Kapazität von 8 GWh Leistung bis 2023 auf 32 GWh gesteigert werden soll.
BMW, Northvolt und Umicore treiben Recycling von Autobatterien voran
Zur Weiterentwicklung von Batteriezellen gebe es inzwischen zwei Konsortien. BMW, Northvolt und Umicore haben sich zusammengeschlossen, eine nachhaltige Wertschöpfungskette für Batteriezellen bis hin zum Recycling zu etablieren. BMW investiert nach eigenen Angaben einen Betrag in nicht genannter Höhe in das Konsortium und stellt seine Expertise in der Batteriezellen-Entwicklung zur Verfügung. Umicore wird für die aktive Entwicklung und das Recycling von Anoden- und Kathodenmaterialien zuständig sein.
Solvay, Umicore, Saft, Manz und Siemens wollen ihre Kräfte bündeln, um die Entwicklung von Feststoffbatterien mit hoher Energiedichte zu beschleunigen. Sollte die Entwicklung erfolgreich sein, werde der nächste Schritt darin bestehen, mit Industriepartnern an neuen Fertigungsprozessen sowie an der Zell- und Systemindustrialisierung zu arbeiten. Ziel sei die Entwicklung einer einfach skalierbaren Produktionseinheit von 1 GWh.
Umicore, BASF und Solvay planen Investitionen
Zur Entwicklung von Batteriematerialien hat Umicore zudem laut Kommission eine große Investition in Polen angekündigt. Ende 2020 soll dort mit der Produktion von Kathodenmaterial begonnen werden, ein Entwicklungszentrum soll in Belgien gebaut werden. BASF plane die Erweiterung von Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen-Batterien in Europa und Solvay denke über den Bau einer Anlage in der EU nach, in der daran gearbeitet werden soll, mit Elektrolyten und Elektrodenbindern und -separatoren die Leistungsfähigkeit dieser Lithium-Ionen-Batterien zu steigern.
Elektrofahrzeuge seien das Standardbeispiel für die Anwendung moderner Batterien, erklärte EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska. „Wir denken aber auch schon darüber nach, wie die Batterienallianz Lkw, Seeschiffen und Fähren nutzen kann. Wenn Europa hier führend sein will und mit anderen großen industriellen Marktteilnehmern weltweit konkurrieren will, müssen wir uns beeilen“, sagte Bienkowska.
Deutschland will eigene Batteriezellenproduktion
In Deutschland wird an einer nationalen Batteriezellenproduktion gearbeitet, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat dazu für November einen „runden Tisch“ angekündigt. Derzeit lote Altmaier Möglichkeiten der Ansiedlung einer Batteriezellfertigung in Deutschland aus, teilte das Bundeswirtschaftsministerium gegenüber EUWID mit (EUWID 42/2018). Dazu sei er in Gesprächen mit allen Beteiligten. Entscheidungen sind dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge noch nicht getroffen worden. Es gebe jedoch Interessenten. Die laufenden Gespräche will das Ministerium allerdings nicht kommentieren. (MBI/Eigener Bericht)