Baden-Württemberg bewirbt sich für die vom Bund geplante Forschungsfertigung Batteriezelle und stellt dafür 185 Mio. € bereit. Das teilte die Landesregierung mit. „Baden-Württemberg ist perfekt aufgestellt für die Ansiedlung der geplanten Forschungsfertigung Batteriezelle. Auf engem Raum haben wir alle notwendigen Kompetenzen und Partner konzentriert“, erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). „Mit dem industriellen Umfeld und der vorhandenen Forschungsexzellenz am Standort Ulm decken wir die Wertschöpfungskette der Batteriezelle vollständig ab.“
Aufbau und Betrieb der Forschungsfertigung sollen durch die Fraunhofer-Gesellschaft erfolgen. Die Federführung bei der Bewerbung haben das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Landesregierung schaffe mit der jetzt verabschiedeten Kabinettsvorlage die Voraussetzungen, dass sich die beiden Institute fristgerecht bis zum 15. Mai 2019 für die Ansiedlung der Forschungsfertigung Batteriezelle bewerben können.
Kretschmann: „Unsere Zukunft wird digital und in vielen Bereichen batteriegetrieben sein“
„Unsere Zukunft wird digital und in vielen Bereichen batteriegetrieben sein“, sagte Kretschmann. „Neben der Elektrifizierung des Verkehrs wird in allen Wirtschaftsbereichen eine verstärkte Nachfrage nach batterieelektrischen Speichern, angefangen bei Werkzeugen, über Haushalts- und Gartengeräte hin zu Medizinprodukte, erwartet. Aber auch die stationäre Speicherung mit Batterien wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen.“
Die Bundesregierung prognostiziere, dass sich der Bedarf nach mobilen und stationären Stromspeichern bis 2030 mehr als verzehnfachen wird, heißt es weiter. Das Bundesforschungsministerium plant im Rahmen des Dachkonzeptes Forschungsfertigung Batterie daher die Errichtung einer Forschungsfertigung Batteriezelle. Für die Standortsuche hatte die Fraunhofer-Gesellschaft im Auftrag bundesweit acht Forschungseinrichtungen zur Standortbewerbung aufgerufen. „Die Initiative des Bundes ist ein entscheidender Hebel, um den Weg zu einer industriellen Batteriezellproduktion in Deutschland zu ebnen“, so der Ministerpräsident.
Gemeinsame Bewerbung von Land, Wissenschaft und Industrie
Nach einem landesweiten Screening und der Bewertung aller Vorschläge zur Standortansiedlung habe sich gezeigt, dass Ulm die Anforderungen der Gründungskommission optimal erfüllt. „Ulm ist bundesweit einer der wesentlichen Batterie-Hotspots. Der Standort bietet aufgrund des hervorragenden Forschungsumfeldes, der optimalen Infrastruktur und der zentralen Lage im süddeutschen Raum ideale Voraussetzungen“, sagte Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). „Durch die Nähe zu den dort ansässigen Forschungseinrichtungen und Unternehmen können wir von Beginn an von Synergieeffekten auf allen Ebenen profitieren.“
Mit der Kabinettsvorlage des Wirtschaftsministeriums wurde beschlossen, dass die Landesregierung im Erfolgsfall Grundstück und Gebäude, einschließlich der notwendigen Finanzierung, bereitstellen wird. Im Standortbewerbungsprozess wird ein Finanzbedarf für die Erstimmobilie von bis zu 105 Mio. € und weiteren 80 Mio. € für eine Erweiterung nach drei Jahren erwartet. Um eine verbindliche Bewerbung abgeben zu können, will die Landesregierung kurzfristig 100 Mio. € aus dem aktuellen Nachtragshaushalt zur Verfügung stellen.
100 Mio. € aus öffentlichen Töpfen für Batterie-Projekte in Baden-Württemberg
Rund 100 Mio. € aus öffentlichen Töpfen seien allein in den letzten zehn Jahren in Batterie-Projekte im Land Baden-Württemberg geflossen – rund 30 Mio. € habe ihr Haus allein seit 2013 in „FastStorage I und II“ investiert und hier erfolgreich Batteriezellen mit höherer Performance entwickelt, erklärte Hoffmeister-Kraut. Daran knüpfe das neueste Projekt „DigiBattPro4.0“ des Ministeriums an. In dem Vorhaben geht es darum, „zukünftig eine Massenfertigung auch für großformatige Lithium-Ionenzellen bei uns im Land zu etablieren“. Das Land fördere das Projekt mit acht Mio. €, das BMBF hat weitere 30 Mio. € in Aussicht gestellt.
Die Forschungsfertigung Batteriezelle soll den Innovationsprozess zur Entwicklung neuer Zellfertigungskonzepte und deren Umsetzung in die industrielle Produktion forcieren. Das Kernangebot ist die Evaluierung der Skalierbarkeit von innovativen, industrierelevanten Zellfertigungskonzepten, die die bereits bestehende Lithium-Ionen-Technologie einschließt und weiterentwickelt. Über die Integration eines umfassenden Digitalisierungs- und intelligenten Vernetzungsansatzes adressiert die Forschungsfertigung insbesondere prozessinduzierte Ansätze, um die Qualitätsstandards zu optimieren und Ausschuss zu reduzieren.
Darüber hinaus können auch zukünftige und Post-Lithium-Ionen-Zellkonzepte qualifiziert und bis zur Herstellung von Null- und Kleinserien entwickelt werden. Die Ausbildung von Fachpersonal entlang der gesamten Bildungskette soll zu einer Erhöhung der Attraktivität Deutschlands für die Batteriezellfertigung führen.
„Den Wandel der Automobilindustrie gestalten“
Die Landesregierung setzt seit 2009 mit den Landesinitiativen Elektromobilität I bis III auf eine Strategie zur erfolgreichen Umsetzung der Elektromobilität. Der „technologieoffene Ansatz“ bündele die Weiterentwicklung der Batterietechnologie und der Brennstoffzellentechnologie, setzt aber auch auf „emissionsfrei erzeugte synthetische Kraftstoffe“.
Die entsprechenden Technologien sind wesentliche Handlungsfelder des von der Landesregierung im Mai 2017 initiierten Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg (SDA BW). Ziel des für sieben Jahre angelegten Dialogprozesses ist es, den Wandel der Automobilbranche und der Mobilität von morgen zu einem „ökonomischen, ökologischen und sozialen Erfolg zu machen“.
Batteriezellproduktion, Technologieoffenheit und der Streit der Automobilkonzerne