Die EnviTec Biogas AG hat im Geschäftsjahr 2022 eine Gesamtleistung in Höhe von 421,1 Mio. € (Vorjahr: 275,8 Mio. €) und ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 66,6 Mio. € (Vorjahr 23,3 Mio. €) erwirtschaftet. Die ursprünglichen Planungen zu Beginn des Berichtszeitraums wurden damit weit übertroffen, wie der Lohner Bioenergiespezialist bekannt gab. Die Geschäfte brummen, die Entwicklung der Rahmenbedingungen ausgerechnet im Heimatmarkt Deutschland bereitet dem führenden Biogasexperten aber Sorgen. (Nachweis für Beitragsbild: EnviTec Biogas)

Im Eigenbetrieb, dem größten Segment von EnviTec, legten die Umsatzerlöse um 78,4 Prozent auf 268,8 Mio. € zu. „Ursächlich für die dynamische Entwicklung waren zum einen die erheblichen Mengen Biomethan, die im BioEnergie Park Güstrow trotz des Umbaus zu einer Bio-LNG-Produktionsanlage hergestellt werden konnten“, berichtet EnviTec. „Zum anderen profitierte das Unternehmen von höheren Preisen für Biomethan (RED II-zertifiziert) sowie einer allgemeinen Steigerung der Strom- und Gaspreise.“ Die Gesamtleistung erhöhte sich auf 270,7 Mio. € (Vorjahr: 153,5 Mio. €).

Im Service-Bereich stiegen die Umsätze um 10,9 Prozent auf 46,1 Mio. € (Vorjahr: 41,6 Mio. €). Die Gesamtleistung erhöhte sich auf 46,5 Mio. € (Vorjahr: 43,7 Mio. €). Das Segment Anlagenbau (inkl. Holding) entwickelte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr ebenfalls dynamisch. Bei einem leichten Umsatzrückgang auf 67,9 Mio. € (Vorjahr: 70,1 Mio. €) wuchs die Gesamtleistung um 32,2 Prozent auf 103,9 Mio. €.

Die sehr gute Entwicklung auf Segmentebene führte zu einem Anstieg der Konzernumsätze um 45,9 Prozent auf 382,8 Mio. € (Vorjahr: 262,4 Mio. €). Mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 75,9 Mio. € wurde der Vorjahreswert verdoppelt (Vorjahr: 37,8 Mio. €). Der Konzernjahresüberschuss der EnviTec Gruppe betrug 48,3 Mio. € (Vorjahr: 16,9 Mio. €).

Wesentlicher Treiber der Dynamik im Biogasmarkt sei die Bekämpfung des Klimawandels, betont Jörg Fischer, Finanzvorstand der EnviTec Biogas AG. „Zusätzlich hat nun der Krieg in der Ukraine nicht nur zu kurzfristigen Verwerfungen am Energiemarkt geführt, sondern eine neue weltpolitische Situation geschaffen.“ Eine schnelle, konsequente Energiewende hin zu erneuerbaren Energien sei damit „unabdingbar“ geworden. Allein der europäische RepowerEU Plan ziele auf eine Verzehnfachung der aktuellen Produktionsmengen bis 2030 „und wir sind aller Risiken zum Trotz optimistisch an diesem Wachstum maßgeblich partizipieren zu können“.

Boomende Märkte in Frankreich und USA: Auftragsbestand steigt um 28 Prozent

Der Auftragsbestand im Anlagenbau stieg gegenüber dem Jahresende 2021 um 28,3 Prozent auf 217,7 Mio. € (31. Dezember 2021: 169,6 Mio. €). Davon sind 127,3 Mio. € bereits in Bau und teilweise in der Bestandsänderung berücksichtigt. Vor allem die Aktivitäten auf dem französischen Markt und in den USA entwickelten sich überaus positiv.

Wie EnviTec jüngst berichtete, befinden sich in den Staaten gegenwärtig 15 Anlagen im Bau, vier Anlagen stehen kurz vor der Inbetriebnahme. Die zu 100 Prozent mit Milchviehgülle betriebenen Anlagen werden nach ihrer Inbetriebnahme Biomethan über bestehende Erdgasnetze zur Verfügung stellen. Dort, wo kein direkter Anschluss ans Erdgasnetz gegeben ist, wird das Gas via Trailer zum Einspeisepunkt gebracht. Aufgrund der Einführung des Renewable Fuel Standard (RFS) auf Bundesebene, staatlicher Anreize wie dem California Low Carbon Fuel Standard in Verbindung mit dem Inflation Reduction Act (IRA) von 2022 sei die Nachfrage nach Biogas und Biogasaufbereitungssystemen in die Höhe geschnellt, sagt Timothy Logan, General Manager EnviTec Biogas USA.

Im Geschäftsjahr 2023 rechnet EnviTec auf Konzernebene mit einer Gesamtleistung (oder Umsatz) von 400 bis 450 Mio. €. Beim Ergebnis vor Steuern (EBT) wird unter Berücksichtigung eines positiven Einmaleffektes aus dem Bereich Energy erwartet, eine Bandbreite von 85 bis 105 Mio. € zu erreichen.

Darüber hinaus liegt der Fokus auf der neuen Bio-LNG-Produktionsanlage in Güstrow, die noch im zweiten Quartal 2023 in den Testbetrieb gehen soll. „Mit der Produktion von 9.600 Tonnen Bio-LNG pro Jahr ist ein Umsatzpotenzial in zweistelliger Millionenhöhe verbunden.“ Gleichzeitig würden sich allerdings die hohen Preise für Rohstoffe und Baumaterialien mittelfristig dämpfend auf die „derzeit außerordentlich gute Ertragslage“ auswirken. Auch neue regulatorische Eingriffe stellten insbesondere in Deutschland ein wesentliches Risiko dar, heißt es weiter.

Es fehlen die Rahmenbedingungen, damit Biogas einen maßgeblichen Beitrag zur Beschleunigung der Energiewende leisten könnte

Im vergangenen hat EnviTec fast 100 neue Stellen geschaffen, davon mehr als 70 im Heimatmarkt Deutschland. „Allerdings fehlen hierzulande weiterhin die Rahmenbedingungen, die notwendig wären, damit Biogas einen maßgeblichen Beitrag zur Beschleunigung der Energiewende leisten könnte“, sagt Olaf von Lehmden, CEO der EnviTec Biogas AG. „Vergleicht man die Situation in Deutschland mit der in den europäischen Nachbarländern, so bleibt das seit mehr als einem Jahrzehnt vorherrschende Bild bestehen“, heißt es im Geschäftsbericht. Es mangele am passenden regulatorischen Umfeld, um das Potenzial von Biogas für eine deutlich schnellere Transformation zu heben. „Um beispielsweise im Bereich biogener Kraftstoffe im großen Stil eine echte Verkehrswende herbeizuführen, benötigten Marktakteure Investitions- und Planungssicherheit. „Stattdessen ist eine hohe politische Fragilität zu konstatieren, die Investitionen bremst oder gar verhindert.“

Die Themen der Woche aus Ausgabe 20.2023 von ContextCrew Neue Energie:

CO2-Preis allein genügt vorerst nicht: Was für eine dynamische Transformation benötigt wird