Eavor hat offiziell damit begonnen, Strom aus seiner Anlage in Geretsried in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen. Damit feiere das im kanadischen Calgary ansässige Unternehmen einen „historischen Meilenstein“ für ClosedLoop-Technologie. Es handele sich um die „weltweit ersten Elektronen“, die aus geschlossenen, multilateralen Bohrungen erzeugt wurden, sagt Mark Fitzgerald, Präsident und CEO von Eavor. „Mit der Inbetriebnahme der Anlage in Geretsried sei man „zuversichtlicher denn je“, dass sich das geschlossene System als führende Lösung für kommerzielle Geothermieanwendungen etablieren werde.
Der Eavor-Loop in Geretsried umfasst zwei vertikale Bohrungen, von denen je sechs horizontale Bohrungen abzweigen (insgesamt 12 laterale Seitenbohrungen). Die Seitenbohrungen wurden mithilfe von Eavors Active Magnetic Ranging Tool (AMR) unterirdisch Spitze an Spitze verbunden. Anders als bei herkömmlichen Verfahren (z.B. mit Drahtsonden / Wireline), bei denen Bohrung pausiert und eine Sonde abgefahren werden muss, ist das AMR-System in die Bohrstange integriert. So kann die Ausrichtung kontinuierlich „on-the-fly“ erfolgen, also während des Bohrens, ohne Unterbrechung. Die Seitenbohrungen und bilden sechs Paare, die zusammen einen riesigen unterirdischen Wärmetauscher ergeben. Die Bohrungen gehören mit einer Länge von 16 Kilometern durchgehender Bohrstrecke pro Paar zu den längsten der Welt, berichtet Eavor.
Eavors geschlossenes System ist nach Unternehmensangaben für unterschiedlichste geologische Bedingungen geeignet und erfordere weder zukünftige Neubohrungen noch Maßnahmen zur Wasserbeschaffung oder -aufbereitung, was im Vergleich zu anderen Geothermietechnologien über die Projektlaufzeit hinweg zu „minimalen“ Wartungs- und Betriebskosten führe.