In seiner Analyse zum europäischen Strommarkt erkennt der Thinktank Ember erste Anzeichen dafür, dass Batterien beginnen, die Nachfrage in gasintensiven Tagesstunden zu decken. Deutlich werde dies in Italien. Das Land gilt als einer der führenden Batteriemärkte in der EU und kommt inzwischen auf eine Kapazität von 1,9 GW an Großbatteriespeichern – laut Ember rund 20 Prozent der gesamten in der EU in Betrieb befindlichen Kapazität. Im Jahr 2025 kam es dabei zu einem starken Wachstum: Die Kapazität stieg von Januar bis Oktober um 0,7 GW (plus 40 Prozent gegenüber 2024). Eine robuste Projektpipeline deute auf ein rasches weiteres Wachstum hin. Bis Dezember 2025 befanden sich neue Batterieprojekte mit insgesamt 10 GW in Bau, waren genehmigt oder angekündigt.
Im Jahr 2025 trugen Italiens Batterien dazu bei, die Nachfrage während der Spitzenstunden des Gasverbrauchs zu decken, „ein Trend, der sich mit der Umsetzung der Projektpipeline rasch beschleunigen könnte“. Im September 2025 speisten großskalige Batteriesysteme in den frühen Abendstunden (19 bis 20 Uhr) im Durchschnitt 1,1 GW aus. Dies entsprach lediglich 3 Prozent der Nachfrage in diesen Stunden, verglichen mit einem Anteil fossiler Stromerzeugung von 52 Prozent. Mit der Umsetzung der Entwicklungspipeline könnte die Batteriekapazität jedoch nahezu versechsfacht werden, höhere Anteile der Nachfrage während der gasintensiven Spitzenstunden decken und die hohe Abhängigkeit des Landes von teurem Gas verringern.
Kalifornien: Netzgekoppelte Batterien legen in vier Jahren von 2 GW auf 13 GW zu
Der US-Bundesstaat Kalifornien bietet eine Fallstudie dafür, wie sich diese Entwicklung in Italien vollziehen könnte. Die netzgekoppelte Batteriekapazität Kaliforniens entsprach 2021 dem heutigen Niveau Italiens (2 GW), stieg jedoch innerhalb von vier Jahren auf 13 GW an. Italien würde diesem Pfad folgen, sofern die laufenden Projekte realisiert werden. Im Jahr 2025 decken Kaliforniens Batterien während der abendlichen Lastspitzen routinemäßig fast ein Fünftel der Stromnachfrage und begrenzen zunehmend den Einsatz von Gas. Tatsächlich sank der Anteil fossiler Stromerzeugung an der abendlichen Nachfragespitze in Kalifornien innerhalb von nur vier Jahren von 44 Prozent im September 2021 auf 34 Prozent im September 2025, während der Beitrag der Batterien im gleichen Zeitraum von 3 Prozent auf 22 Prozent anstieg. „Dies deutet darauf hin, dass EU-Länder, die Batterien zur Speicherung reichlich verfügbarer sauberer Energie einsetzen, ihre Abhängigkeit von teurem Gas in ähnlicher Weise verringern könnten.“

Der Ausbau zusätzlicher Batteriekapazitäten könnte weitere Gaskraftwerksleistung verdrängen und die Großhandelsstrompreise in Zeiten hoher Nachfrage senken. In Italien könnten in einer Batterie gespeicherter Solar- oder Windstrom und in die Abendstunden verschobene Einspeisung Kosten von rund 64 Euro/MWh verursachen. „Dies ist ein wettbewerbsfähiger Preis im Vergleich zu den Kosten der Stromerzeugung in einem typischen Gaskraftwerk, die 2025 in Italien im Durchschnitt bei 111 Euro/MWh lagen und üblicherweise den Strompreis an den europäischen Strommärkten setzten.“ Indem sie teure gasbefeuerte Kraftwerke verdrängen und den Wettbewerb zwischen den Anbietern zur Deckung der Nachfrage erhöhen, können Batterien die Marktmacht bestehender preissetzender Erzeuger verringern und die Großhandelsstrompreise senken.
Die Speicher können die Effizienz der Nutzung erneuerbarer Energien erhöhen. „Da die Solarinstallationen in ganz Europa stark zunehmen, kann der verstärkte Einsatz von Batterien sicherstellen, dass so viele Solar-Kilowatt wie möglich tatsächlich genutzt werden“, heißt es bei Ember.
Deutschland kann mit Batterien bei Abregelung erheblich sparen
Abregelung, bei der Netzbetreiber bewusst die Leistung eines Erzeugers begrenzen, erfolgt in der Regel aufgrund physischer Netzbeschränkungen oder operativer Limitierungen des Netzes. „Wo Abregelung stattfindet, besteht die Möglichkeit, diese Energie für eine spätere Nutzung über Batteriespeicher zu sichern“, führt Ember aus. Batterien, die sich mit günstigem, reichlich vorhandenem sauberem Strom aufladen – der sonst verschwendet würde –, könnten davon profitieren, da Zeiten hoher erneuerbarer Abregelung typischerweise mit den niedrigsten Preisen zusammenfallen und manchmal sogar negative Preise entstehen. Im Jahr 2025 verzeichneten sieben EU-Länder negative Preise in 5 Prozent oder mehr aller Stunden.
Deutschland, der größte Solarstromproduzent der EU, sei ein Land, in dem Batterien helfen könnten, einen erheblichen Teil der verschwendeten Solar- und Windproduktion aufzufangen. Deutschland regelte im Jahr 2025 etwa 3,1 Prozent seiner gesamten Solarstromerzeugung ab, nach 1,9 Prozent im Jahr 2024, während die monatliche Windabregelung bis 2025 bei durchschnittlich 4,8 Prozent blieb. Insgesamt regelte Deutschland im Jahr 2025 geschätzte 9,6 TWh Wind- und Solarstrom ab, fast 4 Prozent der Gesamterzeugung dieser Energieträger.
„Hätten die angekündigten deutschen Batterieprojekte (entsprechend 10,5 GW / 26,3 GWh) diese sonst verschwendete Erzeugung aufgenommen, hätte ein Drittel der Abregelung im Jahr 2025 vermieden werden können, wodurch etwa 0,8 Mrd. Euro an Redispatch-Kosten (613 Mio. Euro) und Gasbeschaffungskosten (219 Mio. Euro) eingespart worden wären“, rechnet Ember vor. Dies hätte die Verbraucherrechnungen entlastet, da die Redispatch-Kosten über Netzentgelte an die Verbraucher weitergegeben werden, die in der Stromrechnung enthalten sind.
Gasverstromung kann mit Großbatteriespeichern wirtschaftlich reduziert werden
Die Nutzung dieses Stroms über Batterien hätte zudem die Gasverstromung im Jahresverlauf um 3,7 Prozent (3 TWh) reduziert. Diese Vorteile hätten die notwendigen Investitionskosten in Batterien übertroffen. Um diese jährlichen Einsparungen von 0,8 Mrd. Euro zu erzielen, werden die zusätzlichen Investitionen in Batterien auf etwa 145 Mio. Euro pro Jahr über die Lebensdauer der Technologie geschätzt. „Das Kosten-Nutzen-Verhältnis für Investitionen in Batterien verbessert sich weiter, da sie zusätzlich für weitere Netzstabilisierungsdienste genutzt würden und über viele Jahre im Einsatz bleiben könnten.“
Der potenzielle Nutzen, abgeregelten Strom aufzufangen, sei erheblich insbesondere in den Ländern, in denen ein schneller Ausbau von Solarenergie noch nicht durch einen entsprechenden Einsatz von Batterien begleitet wurde, wie etwa Griechenland, Polen oder Spanien. „Das Fehlen eines klaren regulatorischen Rahmens ist einer der Faktoren, die die Entwicklung von Batteriespeichern verzögert haben, aber dies begann sich im Jahr 2025 zu ändern.“ So genehmigte Spanien beispielsweise neue Regeln, um den Einsatz von Batterien zu beschleunigen, als Teil eines Pakets, das das spanische Stromnetz zukunftssicher machen und zentrale Schwachstellen adressieren soll, die nach dem iberischen Blackout identifiziert wurden.