Mehrfamilienhaus-Mieterstrom
Symbolbild (Bildquelle: ContextCrew)

Wenn Deutschland bis 2033 in die gezielte Sanierung der energetisch schlechtesten Gebäude investiert, dann sind die Energiekosteneinsparungen nach zwanzig Jahren 55 Prozent höher als die erforderlichen Sanierungs-Investitionen. Zu diesem Ergebnis kommen Analysen des Beratungsunternehmens Guidehouse. Bei europaweit sehr hohen Ambitionen könnten die gesamten Energiekosteneinsparungen bis zu 345 Mrd. € betragen.

Voraussetzungen zur Sanierung der energetisch ineffizientesten Gebäude zu schaffen, ist ein zentraler Bestandteil der derzeitigen Verhandlungen zur Energieeffizienzrichtlinie für Gebäude auf EU-Ebene. Die Bundesregierung hat sich kürzlich kritisch gegenüber Teilen der Maßnahme positioniert, obwohl diese zukünftig zur Senkung der Energiekosten führen würde.

„Angesichts der aktuellen Debatte rund um die EU-Richtlinie für Energieeffizienz in Gebäuden ist es wichtig, nicht aus den Augen zu verlieren, was tatsächlich durch die Richtlinie geregelt wird und was Gerüchte sind“, sagt Florian Schöne, Geschäftsführer des Dachverbands der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen (Deutscher Naturschutzring). „Die Richtlinie verpflichtet nicht zur Sanierung aller Wohngebäude, sondern legt lediglich Mindeststandards für die am schlechtesten abschneidenden Gebäude fest und selbst für diese gibt es verschiedene Ausnahmen.“ Die Untersuchung bestätige, dass die Vorteile der Modernisierung der am wenigsten energieineffizienten Gebäude viel größer seien als die Kosten. „Dies ergibt nicht nur wirtschaftlich auf lange Sicht Sinn, sondern ist zudem die einzige Möglichkeit, sicherere und gesündere Wohnungen zu schaffen.

Kosten der erforderlichen Maßnahmen für einzelne Hausbesitzer oft überschaubar

Eine von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) in Auftrag gegebene Untersuchung zu den Kosten für die Modernisierung der energetisch schlechtesten Gebäude, die ebenfalls von Guidehouse durchgeführt wurde, ergibt, dass die Maßnahmen nicht mit hohen Kosten für einzelne Hausbesitzer verbunden sein müssen. Laut den Berechnungen fallen Investitionen zwischen wenigen tausend € für eine Maßnahme und unter 15.000 € bei zwei Maßnahmen an, um die Anforderungen zu erfüllen.

„Bezahlbare und äußerst kosteneffiziente Lösungen stehen zur Verfügung, um Verbraucher aus der Energiekostenfalle zu befreien“, betont Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deneff. „Nicht nur Menschen, die in solchen Gebäuden leben, sondern unsere gesamte Wirtschaft wird von Mindestenergiestandards profitieren, um energiefressende Gebäude zu sanieren.“ In den meisten Fällen könnten die diskutierten Sanierungsanforderungen mit kostengünstigen Maßnahmen erreicht werden. „Darüber hinaus ist eine solide öffentliche Finanzierung erforderlich, um es jedem zu ermöglichen, individuelle Sanierungspläne zu verfolgen.“

Besonders große Sorgen bei Mietern

Auch Mieterverbände forderten ehrgeizige Sanierungsmaßnahmen. Eine von dem Marktforschungsunternehmen Savanta durchgeführte Studie zeige, dass Mieter – die 51 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen – besonders besorgt über die Widerstandsfähigkeit ihrer Wohnungen und ihre zukünftigen Energiekosten sind.

Nach Jahren mit immer extremeren Temperaturen berichten viele Mieter, dass sie ihre Wohnungen während sehr kalten Wintern (23 Prozent) oder extrem heißen Sommern (36 Prozent) entweder gar nicht oder nur unzureichend auf einer angemessenen Temperatur halten können. Diese Angaben fallen deutlich höher aus als bei Hausbesitzern ohne Hypothek während der Winter (15 Prozent) und Sommer (20 Prozent).

Insgesamt seien etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) aller Deutschen zufrieden mit der Energieeffizienz ihrer Wohnungen. Bei Mietern in privaten Wohnungen fällt dieser Anteil mit 33 Prozent niedriger aus. Mieterverbände weisen darauf hin, dass das Zurückziehen der zentralen Elemente der EPBD keine Lösung für die Energie- oder Wohnungsnot sei. Einer von drei Mietern ist derzeit von den Wohnkosten überfordert.

„Vermietende endlich dazu bringen, energetisch zu modernisieren“

„Die Einführung von Mindestenergiestandards im Gebäudebereich ist dringend notwendig, um Vermietende endlich dazu zu bringen, energetisch zu modernisieren und so uns Mieterinnen und Mieter vor hohen Heizkosten und Hitzebelastung zu schützen, verbunden mit der Abschaffung der Modernisierungsumlage, um uns vor Verdrängung zu schützen“, sagt Lisa Vollmer, Sprecherin von Mieter*innen For Future. „Deutschland und Frau Geywitz verpasst hier mutwillig die Chance, eine klimagerechte Wohnungspolitik sozial und ökologisch zu gestalten – mal wieder auf Kosten von uns Mieterinnen und Mietern.“

Die Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden wurde im März im Europäischen Parlament mit einer soliden Mehrheit angenommen. Die Verhandlungen befinden sich nun in der Trilogphase, in der die EU-Regierungen mit dem Parlament und der Kommission verhandeln.

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