Die Erneuerbare-Energien-Branche begrüßt einen von den Energiekonzernen EnBW und EWE erarbeiteten Vorschlag zur Entschärfung des Redispatch-Vorbehalts, der im Entwurf des Netzanschlusspakets des Bundeswirtschaftsministeriums enthalten ist. Anstatt pauschal jährlich veränderliche „kapazitätslimitierte Netzgebiete“ auszuweisen und damit Investitionen zu erschweren, sollen Gebiete mit eingeschränkten Anschlusskapazitäten frühzeitig transparent dargestellt werden. Grundlage für diese Bewertung soll eine halbjährliche Simulation sein, führt der BEE aus, der von einem „sinnvollen Ansatz“ spricht, da damit lokale Steuerungssignale gesendet würden.
Herzstück des Vorschlags ist die Schaffung eines bundeweit einheitlichen Standards für Flexible Netzanschlussverträge (FCAs) für EE-Einspeiser. „Standardisierungen sind grundsätzlich zu begrüßen, denn sie bieten Planbarkeit, reduzieren Komplexität und Verwaltungsaufwände“, so der BEE weiter. Die FCAs müssten dabei jedoch so ausgestaltet sein, dass sie noch immer eine betriebswirtschaftliche Grundlage für die Betreiber böten.
BEE: „Vorschlag hat Potenzial, es kommt aber auf die Ausgestaltung an“
Dass dem Vorschlag zufolge bis zu 20 Prozent der produzierten Jahresmengen, die abgeregelt werden, nicht entschädigt werden sollen, sei „in diesem Umfang nicht tragfähig“. In dieser Größenordnung würde die Investitionssicherheit ebenso gefährdet wie beim Redispatch-Vorbehalt, meint der BEE. Negative Strompreise in einem unbekannten Umfang kämen noch zusätzlich hinzu und würden die Projektkalkulation weiter erschweren. „Einen zweiten Redispatch-Vorbehalt unter einem anderen Titel braucht es nicht.“
Die Forderung nach mehr Geschwindigkeit beim Ausbau der Netze durch schnellere Genehmigungsverfahren unterstützt der Dachverband der Erneuerbaren-Branche. „Hier ist in den vergangenen Jahren auf allen Ebenen viel zu wenig geschehen, so dass die Netze nicht mit der Transformation der Erzeugung Schritt gehalten haben.“ Diese Versäumnisse müssten jetzt dringend aufgeholt werden. Daher sollte die Anreizregulierung für Netzbetreiber „in jedem Fall erhalten bleiben“. Insgesamt habe der Vorschlag von EnBW und EWE Potenzial, „aber auf die Ausgestaltung kommt es letztlich an“.
BWE fordert baldigen Netzgipfel unter Beteiligung der Windenergiebranche
Auch der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt die am Freitag veröffentlichten Vorschläge. „Sie zeigen, dass es praktikable Lösungen gibt, um die Netze zu entlasten und gleichzeitig den Ausbau der erneuerbaren Energien zu gewährleisten.“ Dass jetzt auch Netzbetreiber Alternativen zum Redispatch-Vorbehalt vorlegen, zeige, dass sich das Netzpaket zu einem praxistauglichen Instrumentenkasten ausgestalten lasse. „Auch der BWE hat mit seiner Beschleunigungsagenda konkrete Vorschläge unterbreitet“, betont BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek.
Wie zwei durch den BWE beauftragte Kurzgutachten bestätigen, bestehen erhebliche rechtliche Bedenken gegen zentrale Vorhaben des geleakten Gesetzespakets. Sowohl Pläne für einen Redispatch-Vorbehalt als auch die damit verbundene Ausweisung kapazitätslimitierter Netzgebiete sind rechtlich hoch problematisch.
Die BWE-Präsidentin fordert die Bundesregierung auf, den Warnungen aus Windenergiebranche und Netzbetrieb Gehör zu schenken und alternative Lösungsvorschläge aufzugreifen: „Das BMWE muss jetzt zügig den Austausch mit der Windenergiebranche und den Netzbetreibern suchen“, so die BWE-Präsidentin weiter. „Auf einem baldigen Netzgipfel sollten praxistaugliche und rechtssichere Konzepte für das Netzpaket gesammelt und in ein geordnetes Gesetzgebungsverfahren überführt werden.“ Tragfähige Vorschläge zur Weiterentwicklung des Stromnetzes lägen „längst“ vor. „Wenn Erzeuger, Netzbetreiber und Politik an einem Strang ziehen, lässt sich gemeinsam ein wettbewerbsfähiges, resilientes und unabhängiges Energiesystem für Deutschland gewährleisten.“