Abo

Newsletter

Großbritannien: Batteriespeicher unterstützen nach Blackout Wiederaufbau der Versorgung

Ausgabe:
Bereiche:
Themen:
Ressort:
Unternehmen:

Die wichtige Rolle von Stromspeichern für die Systemstabilität haben im vergangenen Monat mehrere von RES (Renewable Energy Systems) für den britischen Netzbetreiber National Grid gebaute Batteriespeicher demonstriert. In weiten Teilen Großbritanniens war der Strom ausgefallen, fast eine Million Haushalte und Unternehmen waren betroffen. Die Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von 80 MW konnten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Schlimmeres zu verhindern, berichtet RES.

Von dem Blackout am Nachmittag des 9. August (Freitag) waren neben Haushalten auch Flughäfen, Züge und sogar Krankenhäuser betroffen. Nach Angaben des Netzbetreibers National Grid haben den Ausfall zwei ausgefallene Kraftwerke verursacht. Ein Totalausfall mit deutlich dramatischeren Folgen konnte nicht zuletzt durch den Einsatz der Batteriespeichersysteme, die RES für National Grid gebaut hat, verhindert werden. Innerhalb von Sekunden nach dem Stromausfall konnten die Batteriespeichersystem, mit einer Gesamtkapazität von 80 Megawatt (MW), den Strom in das Netz einspeisen und so einen Abfall der Übertragungsfrequenz verhindern, berichtet der Speicherspezialist.

Gegen 15:52 fielen in kurzer Folge ein Gaskraftwerk und die Verbindung zu einem Offshore-Windpark aus. Durch den Wegfall der Erzeugung fiel die Netzfrequenz (blaue Linie in nebenstehender Graphik) innerhalb von Sekunden um mehrere hundert mHz einbrach. In kürzester Zeit reagieren die Energiespeicher und speisten mit voller Leistung (orange) ins Netz um den Einbruch zu kompensieren. Die Speicher werden von der eigens entwickelten Steuerungssystems RESolve überwacht.

Blitzschlag im Gaskraftwerk lässt Netzfrequenz plötzlich sinken

Den Startpunkt des Ereignisses stellt ein Blitzschlag dar, der das Gaskraftwerk Little Barford in Bedfordshire (England) mit einer installierten Leistung von 660 MW lahmlegte. Dies verursachte einen ersten Einbruch der Netzfrequenz mit einer Rate von -0,144 Hz/s. Die RES-Batteriespeicher setzten ein und wechseln innerhalb von Sekunden vom Laden zum Entladen.

Ablauf des Ereignisses am 9. August 2019 in Großbritannien (Quelle: RES Deutschland)

Innerhalb von 25 Sekunden wurde der Leistungsabfall nun durch die Batterien im Netzwerk und andere Primärressourcen ausgeglichen. Die Netzfrequenz begann sich zu erholen. 45 Sekunden nach dem Ausfall in Little Barford kam es zum Ausfall des Offshore-Windpark Hornsea 1 an der Nordsee vor der Küste von Yorkshire, was zu einem Gesamtverlust von mindestens 1.450 MW im System führte, was sich in einer abermals sinkenden Frequenz zeigte.

Netzfrequenz pendelt sich zwei Minuten nach Blitzschlag wieder im Normbereich ein

Eine Minute und 16 Sekunden nach dem Vorfall in Little Barford folgte die automatische Trennung der Verbindungen zu Teilen des Verteilungsnetzes. Bis zu 5 Prozent der Stromversorgung in England und Wales wurden abgeschaltet. Zwei Minuten nach dem Vorfall erholt sich die Frequenz des Netzes wieder, um 15:55 Uhr pendelte sie sich in den vorgeschriebenen Grenzwerten wieder ein.

Bei der Wiederherstellung der Frequenz kam es zu einer Überschreitung der 50 Hz um 15:57 Uhr. Die Batterien wurden wieder benötigt, diesmal aber, um die überschüssige Energie durch Laden aufzunehmen.

Batteriespeicherhaben während dieses Vorfalls ihren Wert für das System bewiesen. Die schnelle Reaktion der Batteriespeicher macht das System robuster gegen Störungen.
– Matthias Leuthold, RES Deutschland

Das Ausmaß des Ereignisses habe „bei weitem“ alle historischen Bedingungen übertroffen, die für die Erprobung der betriebseigenen Algorithmen der Batteriesteuerung mit RESolve verwendet wurden. RESolve war dessen ungeachtet in der Lage, die drei Batteriespeichersysteme schnell in Betrieb zu nehmen, das Netz wie vorgesehen zu unterstützen und sicherzustellen, dass die Leistungskennzahlen von National Grid eingehalten wurden.

„Batteriespeicher haben während dieses Vorfalls ihren Wert für das System bewiesen. Die schnelle Reaktion der Batteriespeicher macht das System robuster gegen Störungen“, betont Matthias Leuthold, Abteilungsleiter für Energiespeicher der RES Deutschland GmbH. Einen vergleichbaren Speicher hat RES für die Versorgungsbetriebe Bordesholm GmbH in Deutschland errichtet, seit Mai 2019 erbringt er 10 MW Primärregelleistung.

RES betreibt 10-MW-Energiespeicher in Bordesholm

Vor allem aufgrund ihrer sehr kurzen Reaktionszeit sind Batteriespeicher geeignet, das Stromnetz stabil zu halten. Sie reagieren schneller und genauer als herkömmliche (konventionelle) Energieerzeugungsanlagen auf Abweichungen der Netzfrequenz. Da sie unabhängig von der Erzeugungsart funktionieren, seien sie ein „wichtiger Baustein beim Wechsel zu erneuerbarer Energieversorgung“, heißt es bei RES weiter. Durch die schnellere Reaktion könnten Batteriespeichersysteme die Auswirkungen von Stromausfällen verringern „und den Wechsel zu einer CO2-freien Zukunft des Stromnetzes reibungslos sicherstellen“.

Lesen Sie auch:

https://www.contextcrew.de/stromspeicher-und-das-lueckenhafte-wissen-der-bundesregierung/

Mehr von RES Deutschland

GemeinderatsbeschlussGrünes Licht für 84-MWp-Solarpark Langendorf

Der Gemeinderat der Gemeinde Elsteraue hat den Bebauungsplan für den Solarpark Langendorf als Satzung beschlossen. „Die Entscheidung fiel einstimmig bei einer Enthaltung“, berichtet der...

Verwandte Meldungen

EUPD ResearchEuropas Batteriespeichermarkt wächst 2026 um 78 Prozent

Der europäische Markt für Batteriespeicher steht laut EUPD Research vor einem deutlichen Wachstumsschub. In Europa sollen die Neuinstallationen von Batteriespeichern von 32 GWh im...

Veränderte BedrohungslageAnschläge auf Strominfrastruktur: Energiewirtschaft drängt auf schnelleres Handeln

Die jüngsten Angriffe auf Einrichtungen des deutschen Stromnetzes haben in der Energiewirtschaft die Forderung nach einem schnelleren Ausbau des Schutzes kritischer Infrastrukturen verstärkt. Verbände...

GesetzesinitiativeLänder mit eigenem Entwurf für Regelung der Netzanschlüsse

Der Bundesrat will die Vergabe von Netzanschlüssen stärker an den Erfordernissen der jeweiligen regionalen Netzsituation ausrichten. Sein Gesetzentwurf zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes soll es...

BeihilferechtKosten bis zu 35,2 Mrd. Euro: Brüssel gibt grünes Licht für StromVKG (update)

Die Europäische Kommission hat das StromVKG und den darin enthaltenen und ab 2031 zur Verfügung stehenden Kapazitätsmechanismus für Deutschland nach den EU-Beihilfevorschriften geprüft und...

FfEStudie skizziert zwei Wege zum Smart-Meter-Ziel

Deutschland benötigt eine langfristige Strategie für den Ausbau seiner digitalen Messinfrastruktur, um die auf europäischer Ebene diskutierten Smart-Meter-Ziele zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt...