Keine einzelne Energiespeicher-Technologie kann künftig alle Anforderungen des Energiesystems erfüllen. Batteriespeicher eignen sich etwa für schnelle Lastwechsel im Stromnetz, thermische Speicher für industrielle Wärmeprozesse, während Wasserstoff insbesondere die langfristige Energiespeicherung ermöglicht. Auf der Basis dieser Erkenntnis haben die Forschenden des Projekts StoRIES (Storage Research Infrastructure Eco-System) eine Technologie-Roadmap sowie eine strategische Forschungs- und Innovationsagenda für hybride Energiespeichersysteme entwickelt. „Erst die intelligente Kombination unterschiedlicher Speicher ermöglicht ein Energiesystem, das zugleich flexibel, stabil und klimaneutral ist“, sagt Myriam E. Gil Bardají, stellvertretende Projektkoordinatorin am KIT.
Über vier Jahre hinweg vernetzte das Vorhaben Forschungsinfrastrukturen, Industrie und Wissenschaftseinrichtungen in ganz Europa und entwickelte Strategien für die Energiespeicherung der Zukunft. „Mit StoRIES haben wir Impulse entlang der gesamten Wertschöpfungskette gesetzt – von Materialien über Systeme bis zur Integration ins Energiesystem“, sagt Professor Stefano Passerini, Projektleiter am Helmholtz-Institut Ulm (HIU), welches das KIT, die Universität Ulm und weitere Partner betreiben. „Das Forschungsprojekt hat Akteure in Europa enger zusammengeführt und dazu beigetragen, Kompetenzen und Infrastrukturen auszubauen. Entstanden ist ein europaweites Netzwerk aus 250 Forschungseinrichtungen, spezialisierten Laboren und Testumgebungen.“
„Die Energiewende braucht Lösungen, die sich an sehr unterschiedliche Anwendungen anpassen lassen“
Die Forschenden untersuchten unter anderem Konzepte für die Elektrifizierung von Häfen und des Schwerlastverkehrs, für die Versorgung abgelegener Regionen mit erneuerbarer Energie sowie für die Nachnutzung fossiler Kraftwerksstandorte als Speicher- und Flexibilitätszentren. Auch für Gebäude und Industrie entwickelten sie kombinierte Speicheransätze, die Strom, Wärme und Wasserstoff intelligent miteinander koppeln.
„Die Energiewende braucht Lösungen, die sich an sehr unterschiedliche Anwendungen anpassen lassen“, sagt Olga Sumińska-Ebersoldt vom HIU, eine der Initiatorinnen von StoRIES. „Unsere Fallstudien zeigen, dass hybride Speicher nicht nur technische Vorteile bieten, sondern auch helfen können, bestehende Infrastrukturen effizient weiter zu nutzen und erneuerbare Energien besser in den Alltag zu integrieren.“
Neben den technologischen Ergebnissen hat StoRIES europaweit neue Strukturen für die Energiespeicherforschung geschaffen. Mehr als 100 Nachwuchsforschende nahmen an Summer Schools in Nikosia, Rom und Trondheim teil. Hinzu kamen internationale Austauschprogramme, Mentoringformate und Onlinekurse für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Europäische Kommission würdigte StoRIES als eines der richtungsweisenden Projekte des European Green Deal und bezeichnete es als ein besonders relevantes EU-Projekt für die klimaneutrale Transformation Europas.