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Philipp Schröder
Sonnen

„Wir bauen das Energiesystem der Zukunft auf und das macht außer uns niemand“

Interview

EUWID Neue Energie hat sich mit Philipp Schröder vom Speicheranbieter und -dienstleister Sonnen über die Markt- und Geschäftsentwicklung unterhalten. Dabei wirft Schröder den Blick in die Zukunft: „2030 wird kein einziges konventionelles Kraftwerk mehr gebaut. Elektroautos haben einen Anteil an Neuzulassungen von über 80 Prozent.“

Sehr geehrter Herr Schröder, Sonnen ist der Vorreiter bei der Etablierung von Solarstrom-Clouds in Deutschland. Mittlerweile sind jedoch viele Unternehmen mit ähnlichen Angeboten nachgezogen. Wodurch hebt sich die sonnenCommunity noch von anderen Plattform-Konzepten ab?

Das stimmt, wir haben die sonnenCommunity 2015 gestartet, mittlerweile sind viele Konzepte am Markt dazugekommen, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen. Hier muss man erst einmal zwischen reinen Abrechnungsmodellen unterscheiden, bei denen nur Zahlen hin- und hergeschoben werden und solchen mit einer echten Wertschöpfung.

In der sonnenCommunity wird sauberer Strom erzeugt und bilanziell mit anderen Mitgliedern getauscht. Wir haben hier einen eigenen Bilanzkreis, den wir auch selbst managen. Deswegen rüsten wir unsere Kunden auch mit elektronischen Zählern aus, sonst könnten wir das nicht. Außerdem können wir die Speicher unserer Kunden virtuell vernetzen und damit Netzdienstleistungen anbieten. Der Speicher dient also nicht nur dem Eigenverbrauch sondern macht auch die Netze flexibler. Damit können sie wiederum mehr erneuerbaren Energien aufnehmen. Unsere Kunden erhalten dafür die sonnenFlat, so dass ihr kompletter Strombezug im Rahmen ihres Vertrags kostenlos wird. Wir schaffen also eine vernetzte, dezentrale Infrastruktur mit sauberen Erzeugern, Speichern und Verbrauchern. Gleichzeitig machen wir das mit neuen Geschäftsmodellen sehr attraktiv für den Endkunden. Damit bauen wir das Energiesystem der Zukunft auf und das macht außer uns niemand.

E.ON hat aktuell eine SolarCloud ohne Speicher ins Leben gerufen. Halten Sie entsprechende Konzepte für zielführend, etwa um Anlagenbetreiber in der Post-EEG-Phase anzusprechen? Provokant gefragt: Braucht es überhaupt den Speicher in der Community?

Ich denke, da gibt es nicht viel zu sagen. Es gibt einen nahezu hundertprozentigen Konsens, dass eine saubere Energieversorgung Speichermöglichkeiten und damit Flexibilität benötigt. Diese Speicher müssen natürlich physisch vorhanden sein und nicht nur virtuell.

Im vergangenen Jahr hat sonnen gemeinsam mit Tennet ein Pilotprojekt gestartet, das dezentrale Batteriespeicher über eine Blockchain-Lösung von IBM in das Energieversorgungssystem einbindet. Im Rahmen des Projekts soll getestet werden, inwieweit sich bei Engpässen im Stromnetz Notmaßnahmen wie die Abregelung von Windparks reduzieren lassen. Wie bewerten Sie die ersten Erkenntnisse aus dem Projekt?

Das Projekt ist richtungsweisend für die Integration der erneuerbaren Energien in unser Stromnetz. Wir sind sehr zufrieden mit den ersten Ergebnissen und werden sie im weiteren Verlauf des Projekts zusammen mit Tennet auch veröffentlichen.

In welchen Ländern ist sonnen schon aktiv und wo sehen Sie zukünftig das größte Potenzial für die sonnenBatterie und die sonnenCommunity? Plant sonnen derzeit neue Produkte oder Dienstleistungen?

Sonnen ist mittlerweile weltweit aktiv. Die größten und schnellst wachsenden Märkte außerhalb der DACH-Region sind für uns Italien, Australien und die USA, wo wir auch einen eigenen Produktionsstandort haben. Gerade Australien und die USA haben ein gewaltiges Potenzial, dort ist der Markt gerade erst auf die Beine gekommen. Vielversprechend sind aber auch das UK, die skandinavischen Länder oder Spanien, dort sind wir erst vor kurzem eingestiegen. Wenn wir einen Markt betreten, dann wollen wir das auch in der ganzen Konsequenz mit den besten Partnern und mit einem Service, um unsere hohe Qualität sicherzustellen. Das kann sehr aufwendig und langwierig sein. Deswegen ist es für uns auch sehr wichtig geworden auch mal Nein zu sagen, wenn wir Anfragen aus einem neuen Markt erhalten.

Am 22. Februar werden wir ein komplett neues Konzept für die Verbindung von sauberer Energie und der Elektromobilität anbieten. Ich kann schon sagen, dass Autofahren damit wirklich sauber und viel günstiger als heute wird.

Mit Fehlbeträgen von rund 3,6 Mio. € im Geschäftsjahr 2014 und rund 5,7 Mio. € im Geschäftsjahr 2015 hat sonnen in den Anfangsjahren rote Zahlen geschrieben. Ist der Break-even mittlerweile erreicht oder wann wird damit gerechnet?

Wir werden für 2017 voraussichtlich einen Umsatz von 65 Mio. € vorweisen können, 2016 waren es noch 41 Mio. €. sonnen ist also wieder sehr deutlich gewachsen. Allein bei unseren Fachpartnern und sonnenBatterie Centern ist der Absatz in der DACH-Region um 56 Prozent geklettert. Was unser Kerngeschäft mit Stromspeichern betrifft, wären wir durchaus profitabel. Aber wir haben den Anspruch ein Unternehmen zu bauen, das technische Innovationen weltweit vorantreibt. Deswegen haben wir uns entschieden, hier stark zu investieren wie zum Beispiel in den massiven Ausbau unserer Entwicklung, in unser VPP-Team oder unsere Internationalisierung.

Und wir wollen, dass die klügsten Köpfe der Energiebranche bei uns sind. Erst im letzten Jahr ist Jean-Baptiste Cornefert von E.ON zu uns gekommen und leitet jetzt die sonnen eServices. In dieser Phase des Marktes und des Unternehmens gehören diese Investitionen aber dazu. Nur deswegen sind wir heute Marktführer. Unsere Investoren sehen das genauso und unterstützen das. Über mangelndes Interesse von neuen Investoren können wir uns auch nicht beschweren. 2018 wird jedoch ein Jahr der Stabilität, in dem wir von der gewaltigen Aufbauarbeit der letzten Jahre profitieren werden.

Wie stellen Sie sich die deutsche Energiewirtschaft im Jahr 2030 vor?

2030 wird kein einziges konventionelles Kraftwerk mehr gebaut. Elektroautos haben einen Anteil an Neuzulassungen von über 80 Prozent. Die Luftqualität in den deutschen Städten ist um ein vielfaches besser als heute. Gleichzeitig sind die meisten EEG-Anlagen voll abgeschrieben. Damit sinken die Kosten für den Stromverbraucher, da die EEG Umlage nicht mehr existiert und drei Millionen abgeschriebene Wind- und Solaranlagen zu Grenzkosten von unter zwei Cent/kWh Strom produzieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person:

Philipp Schröder hat seine Karriere nach Abbruch seines Studiums vor rund zehn Jahren mit der Gründung des Start-up-Unternehmens „Nycon Energy AG“ im Bereich des Energie-Contractings begonnen. Geschäftsmodell war es, Gebäude mit effizienten Technologien nachzurüsten und die Einsparungen mit den Kunden zu teilen. Nach dem dramatischen Einbruch des Ölpreises im Jahr 2008 stand das Unternehmen jedoch vor dem Aus.

Es folgten eine Anstellung beim Projektentwickler juwi, 2012 wechselte er zu sonnen. Schröder verließ das Unternehmen jedoch nach knapp zwei Jahren, um als Country Director Deutschland und Österreich für Tesla Motors zu arbeiten und von Null aufzubauen. Als Schröder vom sonnen-Mitbegründer Christoph Ostermann von der Idee einer sonnenCommunity erfuhr, kehrte er als Verkaufs- und Marketingleiter zu sonnen zurück.

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