„Mit Solar-PPAs in Deutschland erstmals 2020 im größeren Stil zu rechnen“

(Okt. 2019) Seit seiner Gründung 1996 in Norwegen hat sich REC zu einem führenden, integrierten Unternehmen für Solarenergie entwickelt. Mit mehr als 2.000 Mitarbeitern weltweit produziert das Unternehmen Photovoltaikmodule mit einer Kapazität von 1,5 GW jährlich. Wir haben uns mit Ivano Zanni, Vice President Sales bei REC, über technologische Trends, Power Purchase Agreements, Post-EEG und die Zukunft der Solarstromerzeugung in Europa unterhalten.

Herr Zanni, Wie werden sich die Vermarktungswege für Solarstrom in Europa in den kommenden Jahren verändern? Welche Rolle sehen Sie künftig für fixe Einspeisevergütung, Direktvermarktung und langfristige Stromabnahmeverträge. Und was bedeutet das für einen der großen Hersteller von Solarmodulen?

Grundsätzlich muss man hinsichtlich der Arten von PV-Anlagen eine Unterscheidung treffen: es gibt einerseits die Anlagen, die auf Freiflächen angebracht werden – zumeist in Kraftwerksgröße – und andererseits die PV Installationen auf Dächern. Letztere betreffen in der Regel Gewerbe und Industrie, aber auch Endkonsumenten. REC ist in allen Segmenten seit vielen Jahren aktiv und hat eine gute Balance zwischen den verschiedenen Installationsarten der Module. Direktvermarktung und langfristige Stromabnahmeverträge haben eher im Utility-Bereich eine Relevanz.

Für die Dachinstallationen sind eine fixe Einspeisevergütung (wie in Deutschland) aber auch andere Maßnahmen wie Net Metering ein zusätzlicher Anreiz für Haushalte, via eigens produziertem Solarstrom Geld zu sparen und nachhaltig zu wirtschaften. Nichtsdestotrotz ist Solarenergie bereits heute kosteneffizient, auch ohne staatliche Förderungen – und lohnt sich für große Anlagenbetreiber sowie Hausbesitzer.

Für uns als Solarmodulhersteller zeigt die Differenzierung, wie wichtig es ist, den Markt zu verstehen und informiert darüber zu sein, welche Prioritäten Endkunden und Installateure setzen.

Gerade PPAs waren bis vor Kurzem im Solarbereich eine Rarität. Doch angeführt von Südeuropa schwappt die PPA-Vermarktung weiter nach Mittel- und Nordeuropa. Welche Perspektiven bieten PPAs künftig gerade für die Photovoltaik?

Als Unternehmen befürworten wir, dass sich PPAs im Solarbereich etablieren. Zuvor waren diese maßgeblich auf Wind beschränkt. PPAs erlauben es, sich in gewissem Maß von der sehr hohen politischen Kontrolle im Energiesektor unabhängig zu machen. Nachdem Solar-PPAs in Spanien, Italien und Portugal etabliert worden sind, ist in Deutschland erstmals 2020 damit im größeren Stil zu rechnen. Das bietet der Branche eine echte Chance wettbewerbsfähigen grünen Strom zu liefern.

Die wichtigen Parameter sind dabei langfristige Verträge (und somit ein geringerer Zins), der niedrige Preis – welcher aus den fallenden Modulpreisen resultiert – sowie die Größe der Anlage um Skaleneffekte zu ermöglichen. PPAs können so dazu führen, dass viele größere PV Projekte durch Investitionen realisiert werden können und nicht von stark regulierten staatlichen Programmen (z.B. Auktionen) abhängig sind.

Gegen Mitte der 2020er Jahre wird in Deutschland eine große Zahl an PV-Anlagen aus der EEG-Förderung fallen. Wie bewerten Sie als Hersteller die Post-EEG-Phase? Bieten sich auch für Technologieanbieter hier Chancen, etwa über das Repowering von Solarparks?

Die Post-EEG Phase wird auf jeden Fall spannend, aber mit unserer internationalen Erfahrung können wir sagen, dass ein gesunder Solarmarkt auch ohne staatliche Förderungen möglich ist: Natürlich besteht wie gerade genannt, über PPAs die Möglichkeit, bilateral Verträge zu schließen und so im freien Markt eine Finanzierung für erneuerbare Projekte und Bestandsanlagen zu finden. Andererseits ist, bei Betrachtung der Stromgestehungskosten, Solarenergie bereits heute sehr wettbewerbsfähig – und das auch ohne große stattliche Förderung.

Für andere Anlagen ist eine Nachrüstung mittels einer Batterie eine interessante Option, sodass der Überschussstrom nicht „verschenkt“ werden muss – somit ist die Post-EEG Phase eine echte Chance für die Batterieproduzenten. Auch im Bereich von privaten Dachanlagen, welche aus der Förderung auslaufen, kann die Nachrüstung mit einem Stromspeicher sinnvoll sein, um die Eigenverbrauchsquote zu erhöhen. Je höher die Eigenverbrauchsquote, umso mehr wird an den Stromkosten gespart und umso geringer die Einspeisung des erzeugten PV Stromes ins Netz.

Repowering sehen wir nicht zwingend als eine Maßnahme, die weitreichend Anwendung finden wird, da hochwertige Produkte 25 bis 30 Jahre halten. Entsprechend bieten wir unseren Kunden für unsere Qualitätsmodule auch die längste Garantielaufzeit in der Branche an: 25 Jahre. Repowering wird derzeit in der Regel bei dem Austausch minderwertiger Module eingesetzt, um Solarparks weiterzubetreiben, die leider die Erwartungen der Investoren nicht erfüllen und noch eine Restlaufzeit unter dem EEG haben. Dennoch: Repowering ermöglicht es in der Post-EEG Phase auf derselben Fläche eine deutlich höhere Leistung zu erzielen – und dies für eine sehr geringe finanzielle Investition. Somit werden in Zukunft durch Repowering noch günstigere Stromgestehungskosten erzielt werden.

Als Engpass für eine noch weitere Verbreitung der Photovoltaik wird immer wieder eine unzureichende Flächenkulisse, gerade für die sehr günstigen Freiflächenanlagen genannt. Wie bewerten Sie diese Diskussion und wo könnte die Politik hier ansetzen?

Im Prinzip gibt es für die Photovoltaik drei Herausforderungen:

Erstens sind häufig die Netze – wie auch hier in Deutschland – stark reglementiert und überlastet.

Zweitens, lokale Akzeptanz für erneuerbare Energie ist oft ein Thema – das gilt für Onshore-Windräder aber auch für größere Solaranlagen.

Drittens: natürlich ist für PV auch die Fläche ein Thema. Als globales Unternehmen haben wir viel Erfahrung, insbesondere in Ländern in denen der Platz noch viel begrenzter ist als in Deutschland, wie beispielsweise in den Niederlanden. Daher haben wir uns bei REC der Produktion von hochqualitativen Modulen mit innovativer Technologie verpflichtet, die mehr Leistung auf geringerer Fläche bieten – unser neustes Solarpanel Alpha kann auf diese Art 20 Prozent mehr Leistung erzeugen als herkömmliche Solarmodule. Natürlich sind zudem innovative Anwendungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Floating PV, wichtig, um vorhandene, aber bis dato ungenutzte Flächen effizient einzusetzen.

Hochleistungsmodule und innovative Anwendungen von PV sollten von der Politik entsprechend gefördert werden.

Die europäische Solarbranche hat unter der Konkurrenz aus Fernost stark gelitten. REC hat als einer der wenigen großen Anbieter in Europa überlebt. Was ist das Erfolgsrezept von REC?

Das war natürlich eine sehr tiefgreifende Entwicklung in der Solarbranche, insbesondere da Europa über lange Zeit Vorreiter in der Akzeptanz, Förderung und im Ausbau von Solarenergie war. Uns ist es sehr wichtig, eine starke Präsenz in Europa zu haben, hier sind schließlich auch unsere Wurzeln.

Was REC aber immer ausgezeichnet hat und somit auch unser Erfolgsrezept darstellt, ist die 100-Prozent-Fokussierung auf Solartechnologie. Wir haben 23 Jahre Erfahrung im Sektor und haben in dieser Zeit mehr als 34 Millionen Solarpanele produziert das entspricht einer Leistung von über 8 GW, mit der wir täglich 14 Millionen Menschen in ihren Häusern mit Solarstrom versorgen – gleichzeitig sparen wir über 8 Millionen CO2 pro Jahr ein. Dabei ist das Streben nach Innovation und das Entwickeln der neusten Trends der Branche fest in unserer DNA verankert. Seit unserer Gründung, der globalen Expansion und durch alle Marktveränderungen hinweg, haben sich unsere Werte, unsere Vision und der Qualitätsanspruch nie verändert. Und dieser Anspruch gilt unternehmensweit: Für das Management Team genauso wie für alle anderen Mitarbeiter an unseren internationalen Standorten.

Welche Technologien werden im PV-Bereich das next big thing? Und was denken Sie: Wohin werden sich die Stromgestehungskosten von Solarstromprojekten und die Preise für PV-Module andererseits entwickeln?

REC hat bereits eine Vielzahl von Innovationen zur Marktreife gebracht, die nun der Branchenstandard sind, zum Beispiel Module mit sogenannten Halbzellen für eine höhere Leistung. Über unsere neueste Entwicklung, das REC Alpha Modul, hören wir aus dem Markt bereits jetzt, dass diese Technologie den nächsten großen Trend setzen wird. Hierbei nutzen wir die „Heterojunction Technologie“, die es zu dem leistungsfähigsten 60-Zell Modul auf dem Markt macht. Diese Technologie verbindet die Vorteile von (kristallinen) Silizium-Solarzellen mit den Vorteilen von Dünnschichttechnologien. Die Solarzellen erzielen somit deutlich höhere Wirkungsgrade, während die Produktionskosten unter Kontrolle gehalten werden.

Unsere Ingenieure und Wissenschaftler arbeiten kontinuierlich an einer Vielzahl von sehr innovativen aber auch noch sehr konzeptionellen Ideen in unserem Sektor. Gleichzeitig entwickeln wir auch immer bestehende Technologien weiter und können so höhere Leistungsgrade erzielen die bisher nicht für möglich erachtet wurden.

Über die letzten Jahre haben wir erlebt, dass die Stromgestehungskosten und somit natürlich auch die Kosten von Solarprojekten stetig abnahmen. Die Solarbranche hat das durch kontinuierlich steigende Leistung und Qualität der Module möglich gemacht, denn damit sinken die Modulpreise pro Leistung. Hierbei hat REC durch Optimierung der existierenden Produkte und Entwicklung neuer, innovativer Technologien, einen entscheidenden Beitrag geleistet. Genau das macht den Anspruch von REC aus: Schlechte Qualität billig zu verkaufen ist kein Weg für uns – deswegen können wir unseren Kunden auf der ganzen Welt auch 25 Jahre Garantie auf unsere Produkte geben.

Vielen Dank für das Interview!

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