Das von der Europäischen Union geförderte Projekt Scale – Smart Charging Alignment Europe – bringt gemeinsam mit der LEW Verteilnetz GmbH (LVN) und weiteren Partnern erstmals Vehicle-to-Home-(V2H)-Technologien aus dem Labor in reale Haushalte im LVN-Netzgebiet. Ziel ist es zu demonstrieren, wie Elektrofahrzeuge, Photovoltaikanlagen und das Stromnetz intelligent miteinander agieren können – und wie sich heutige Smart-Charging- und V2H-Lösungen perspektivisch zu netzdienlichen Vehicle-to-Grid-(V2G)-Diensten weiterentwickeln lassen.
Im Mittelpunkt steht nach LVN-Angaben der Ansatz, durch bidirektionales Laden und intelligentes Energiemanagement den Eigenverbrauch in Einfamilienhäusern zu erhöhen und gleichzeitig neue Möglichkeiten der Teilnahme am Energiemarkt zu eröffnen.
Nach einer offenen Ausschreibung im September wurden drei Pilothaushalte im LVN-Netzgebiet ausgewählt. Alle verfügen über eine PV-Anlage sowie ein ISO-15118-fähiges Elektroauto, das Energie bidirektional übertragen kann – eine zentrale Voraussetzung für den V2H-Einsatz. In den vergangenen Wochen wurde die vollständige technische Infrastruktur für den Praxistest installiert. Dazu gehören:
⮚ Bidirektionale DC-Wallboxen des Herstellers Ambibox mit integriertem Energiemanagementsystem
⮚ Intelligentes Messequipment zur Erfassung aller Energieflüsse im Haushalt (PV, Wärmepumpe, Batteriespeicher, Wallbox)
⮚ LVN-Steuerbox (neoflex-Box) als zentrale Steuerkomponente für einen sicheren und gesetzeskonformen Betrieb nach §14a EnWG
Das Herzstück des Praxistests ist die LVN-Steuerbox. Sie überwacht den lokalen Netzzustand in Echtzeit, arbeitet weitgehend autonom und verhindert zuverlässig Überlastsituationen. Gleichzeitig werde sichergestellt, dass möglichst viel Solarstrom direkt im Haushalt oder in der Fahrzeugbatterie gespeichert und genutzt wird.
Auch die Pilotfahrzeuge wurden erfolgreich integriert. Der Feldversuch startete planmäßig im November – und wird bis November 2026 fortgeführt. Während dieser Zeit werden technische Performance, Energieflüsse und Systemstabilität kontinuierlich erfasst und ausgewertet.
Offenes, standardisiertes und skalierbares Systemdesign
Bereits vor Beginn der Feldphase konnten wesentliche technische Grundlagen gelegt werden. Zu den zentralen Meilensteinen zählen die Entwicklung einer robusten Systemarchitektur mit klar definierten Anforderungen, die vollständig validierte End-to-End-Kommunikation zwischen Elektrofahrzeug, Wallbox und LVN-Steuerbox sowie ein nachgewiesener, stabiler und §14a-konformer Betrieb im Realversuch. Auch wird ein offenes, standardisiertes und skalierbares Systemdesign (OCPP, EEBUS, ISO 15118-2 VAS) sichergestellt.
Die Kombination aus interoperablen Standards und einem intelligenten, netzdienlichen Steuerkonzept zeige großes Potenzial – sowohl für zukünftige Energieanwendungen im privaten Wohnumfeld als auch für andere Verteilnetzbetreiber, betont LVN.