Die Photovoltaik-Branche hat den Turnaround in Deutschland geschafft. Die Nachhaltigkeit dieses Umschwung wird durch den PV-Geschäftsklimaindex des Solarverbands BSW-Solar deutlich, der sich auf einem Siebenjahreshoch befindet. Allerdings ständen Teile der Wertschöpfungskette weiterhin unter erheblichem Kostendruck. Das sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar, am Mittwoch in München auf der „The smarter E Europe“, unter deren Dach erstmals die Intersolar, die Speichermesse ees Europe, die Power2Drive und die EM-Power gemeinsam stattfinden.
Körnig hält es für möglich, dass 2018 erstmals das im EEG 2014 festgelegte Ausbauziel der Bundesregierung von 2,5 GW an neuinstallierter Photovoltaik-Leistung erreicht wird. Gegenüber dem Vorjahr mit einem Zubau von rund 1,76 GWp würde dies eine Steigerung um 42 Prozent bedeuten. Bei den kleinen Photovoltaikanlagen (bis 10 kWp) sei mittlerweile die 1-Million-Marke geknackt worden. Das heißt, dass bereits eine Million Eigenheime in Deutschland Solarstrom vom Dach ernten, was schon für gut zehn Cent je Kilowattstunde möglich sei.
Preisrückgang und Elektromobilität als Gründe für wachsenden PV-Ausbau
Grund für die Marktbelebung seien vergleichsweise stabile Rahmenbedingungen und der Preisrückgang. Die Modulpreise seien seit 2006 um rund 90 Prozent gefallen und die Systempreise um rund 75 Prozent. Mittlerweile unterschreite der Solarstrom sogar das Preisniveau von Windenergie. In der ersten gemeinsamen Wind- und Solarauktion 2018 sind alle Zuschläge an die Photovoltaik gegangen (EUWID 17/2018), der mengengewichtete Zuschlagswert für Photovoltaik betrug dabei durchschnittlich 4,3 Cent, während er für Wind bei 4,7 Cent je Kilowattstunde lag.
Ein weiterer Grund sei der Ausbau der Elektromobilität. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des BSW-Solar macht deutlich, dass 90 Prozent der Autofahrer, für die grundsätzlich die Anschaffung eines Elektroautos in Frage kommt, Solarstrom tanken würden.

Damit könnten Elektrofahrzeuge die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen beflügeln. Das bestätigt auch eine Befragung durch EuPD Research, bei der neun Prozent angaben, sich noch 2018 ein Elektroauto anschaffen zu wollen. Von diesen neun Prozent haben den Angaben zufolge 54 Prozent die Absicht, im selben Jahr auch eine Photovoltaikanlage zu kaufen. In den zwei Folgejahren seien es weitere 37 Prozent. Dem BSW-Solar zufolge werden der Sinn und der Erfolg der Elektromobilität entscheidend von einem stärkeren Ausbau der Solarenergie und Ladeinfrastruktur abhängen.
Halbierung der Preise von Solarstromspeichern
Beim Ausbau von Photovoltaikanlagen werden Heimspeicher immer mehr zum Standard, bereits mehr als jeder zweite Photovoltaikanlagen-Käufer bestellt einen Speicher hinzu. Das liegt auch daran, dass die Preise für Speicher ebenfalls massiv gesunken sind. In den letzten fünf Jahren haben sich die Preise halbiert, berichtete Körnig. Im ersten Quartal 2018 lagen sie dem BSW-Solar zufolge bei 56,2 Cent für kleine Solarstromspeicher bis 10 kWh und 42,7 Cent je kWh für größere Solarstromspeicher bis 30 kWh.

Aber nicht nur neue Photovoltaikanlagen werden zunehmend mit Speichern ausgestattet, auch das Nachrüstpotenzial bestehender Anlagen sei gewaltig. 2017 waren erst 5,6 Prozent der installierten Photovoltaikanlagen mit einem Speicher verbunden, insbesondere wenn die Anlagen aus der EEG-Vergütung rausfallen, werde sich der Zubau eines Speichers lohnen.
Bereits über 90.000 Solarstromspeicher installiert
Für die kommenden Jahre erwartet der BSW-Solar folglich einen spürbaren Absatzanstieg bei Solarstromspeichern. Aktuell seien bereits mehr als 90.000 Solarstromspeicher installiert. Für das laufende Jahr wird die Installation von insgesamt mehr als 35.000 neuen Heimspeichern erwartet. Im Jahr 2020 hält der BSW-Solar einen Zubau von über 50.000 Heimspeichern für möglich.

Weltweit fließen die höchsten Investitionen zur Kraftwerksentwicklung in den Photovoltaikbereich, im Jahr 2017 waren es 161 Mrd. USD im Vergleich zu 103 Mrd. USD, die in fossile Kraftwerke investiert wurden. Doch welche Regionen lohnen sich für Investoren besonders? Darauf hat Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) auf der „The smarter E“ in München Antworten gegeben.
Nach den Ausführungen von Körnig war der Photovoltik-Markt im Jahr 2018 sehr stark von China, den USA, Japan und Indien getragen. China verändere jedoch gegenwärtig den Förderrahmen und die Obergrenzen, konkrete Auswirkungen seien aber noch unklar, da regionale Förderungen die staatlichen Reduzierungen in Teilen kompensieren könnten. Weiterer Preisdruck sei jedoch möglich, der die Nachfrage im Rest der Welt gegebenenfalls befeuern dürfte.
In Südostasien sei mit einem langsamen Wachstum zu rechnen. Auf den Philippinen seien bis zu einem Gigawatt installierter Leistung möglich, Malaysia und Indonesien seien vor allem für Kleinprojekte aussichtsreich. In Thailand und Vietnam herrsche hingegen noch eine starke Unsicherheit wegen fehlender Regularien, folglich gebe es nur vereinzelt Eigenverbrauchsanlagen.
Im Gegensatz dazu habe sich in Australien ein selbsttragender, stabiler 1-GW-Aufdachmarkt sowie zahlreiche einzelne Großprojekte entwickelt, berichtet Körnig.
In Südasien bzw. Zentralasien entwickelten sich die Photovoltaikmärkte neben Indien auch in Pakistan und Bangladesch. Vereinzelt entständen Großprojekte auch in Kasachstan, Usbekistan, Aserbaidschan und in der Mongolei.
In Europa halte der Aufwärtstrend im laufenden Jahr noch an, Ende 2018 werden rund 12 GW installierter Leistung erwartet. Insbesondere in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden sei mit Wachstum zu rechnen, weitere Lichtblicke gebe es für Spanien, Portugal, die Ukraine und Russland.
Auch für Lateinamerika bestehe ein positiver Ausblick, das gelte insbesondere für Mexiko, Brasilien, Chile, Argentinien und Kolumbien. Treiber seien dabei Stromlieferverträge (PPAs). In Zentralamerika, vor allem in Honduras und der Dominikanischen Republik sorge der Eigenverbrauch für Zubau.
Eine Region mit einem starken Wachstumsimpuls sei die Golfregion bzw. die MENA-Region. Zu den Top-Märkten zählt der BSW-Solar Jordanien, Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate, Dubai, Ägypten und Tunesien. Positive Aussichten beständen zudem für Saudi Arabien, Kuwait und den Libanon.
Auch die Subsahara elektrifiziere sich mit Photovoltaik. Der Offgrid-Ausbau werde stark vorangetrieben, so Körnig. Großprojekte kämen beispielsweise in Kenia, dem Senegal, Ghana, Dschibuti, Angola, Südafrika und Botswana gut voran. In Nigeria, Angola kämen starke Impulse aus dem privaten Sektor, allerdings gebe es Finanzierungshindernisse. In den übrigen Ländern gebe es Marktnischen für Hybridsysteme.