Die Quartalssaison hat durchaus gut Zahlen vieler Unternehmen aus der Energiebranche zum Vorschein gebracht. Einige Sonderfaktoren aus dem Vorjahrezeitraum fallen weg, was sich auch im Zahlenwerk bei RWE, EnBW und MVV niederschlägt. Dennoch sehen sich die Konzerne auf Kurs. Im Folgenden finden sich ausgewählte Schlaglichter aus der aktuellen Unternehmenskommunikation. (Nachweis für Beitragsbild: ContextCrew)

RWE

Der Essener Energiekonzern RWE meldet, dass 42 Prozent seiner Stromerzeugung in den ersten drei Monaten aus regenerativen Quellen stammen. Mit Nettoinvestitionen von 2,3 Mrd. € im ersten Quartal baut RWE das Portfolio weiter aus. Den Angaben zufolge befinden sich derzeit 8,3 GW an neuer Anlagenleistung im Bau. Dazu zählen die Offshore-Windprojekte Sofia vor der britischen Küste mit 1,4 GW sowie Thor in Dänemark mit 1,1 GW. Zudem treibe RWE mit mehr als 100 Projekten in Europa und den USA den Ausbau von Onshore Wind und Solarenergie sowie den Bau neuer Batteriespeicher voran.

Im Segment Offshore Wind lag das bereinigte Ebitda im ersten Quartal bei 548 Mio. € nach 473 Mio. € im Vorjahreszeitraum. „Der Ergebnisanstieg resultiert im Wesentlichen aus den gegenüber dem Vorjahr verbesserten Windbedingungen“, heißt es. Das Segment Onshore Wind/Solar erzielte ein bereinigtes Ebitda von 341 Mio. € gegenüber 247 Mio. € im ersten Quartal 2023. Die positive Ergebnisentwicklung sei vor allem auf die Inbetriebnahme neuer Anlagen und die Einbeziehung der Geschäftsaktivitäten von Con Edison Clean Energy Businesses in den USA mit vollen drei Monaten zurückzuführen. Positiv wirkten auch verbesserte Windbedingungen an den europäischen Onshore-Standorten.

⮚ Konzernweit liegt das bereinigte Ebitda über alle Segmente hinweg bei 1.709 Mio. € nach 2.312 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnet RWE mit einem Ebitda zwischen 5,2 und 5,8 Mrd. €.

EnBW

Das Segment Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur der Karlsruher Energie Baden-Württemberg (EnBW) erzielte im ersten Quartal 2024 ein Adjusted Ebitda in Höhe von 798 Mio. € und lag damit um 37 Prozent unter dem Vorjahr. Dabei bewegte sich das Adjusted Ebitda der Erneuerbaren Energien mit rund 331 Mio. € um 24 Prozent unter dem Vorjahr. „Die im Vorjahresvergleich höhere Stromproduktion aus Laufwasserkraftwerken wurde durch sinkende Preise in der Direktvermarktung von Erzeugungsmengen aus Wind und Photovoltaik kompensiert“, erläutert die EnBW. Im Bereich Thermische Erzeugung und Handel ging das Adjusted Ebitda um 44 Prozent auf aktuell 467 Mio. € zurück. Grund waren niedrigere Erlöse aus der Vermarktung der Kraftwerkserzeugung aufgrund des sich normalisierenden Preisniveaus an den Märkten.

Im Segment Systemkritische Infrastruktur, also den Transport- und Verteilnetzen für Strom und Gas, wurde ein Adjusted Ebitda von 574 Mio. € erreicht. Damit liegt das Segmentergebnis nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Niedrigere Aufwendungen für Netzreserve und Redispatch wurden von gestiegenen Personalaufwendungen kompensiert.

⮚ Die EnBW gibt das Ebitda für die ersten drei Monate mit 1.828 Mio. € nach 3.954 Mio. € im Vorjahresquartal an. Das erwartete Adjusted Ebitda auf Konzernebene für 2024 liegt weiterhin zwischen 4,6 bis 5,2 Mrd. €.

MVV

Die Mannheimer MVV berichtet bereits über das zweite Quartal ihres Geschäftsjahrs 2023/2024. „Wir bewegen uns bereits seit einigen Monaten in einem herausfordernden Marktumfeld, das insbesondere durch rückläufige Energiepreise an den Großhandelsmärkten sowie allgemeine Unsicherheiten gekennzeichnet ist“, sagt MVV-Chef Georg Müller. „Wie erwartet lag daher unser Adjusted EBIT im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2024 mit 299 Mio. € deutlich unter dem Vorjahreswert.“ Bei dem Ergebnis des vorangegangenen Geschäftsjahres sei jedoch zu berücksichtigen, dass dieses durch positive Einmaleffekte wie Veräußerungserlöse aus dem Verkauf von Beteiligungen sowie eine „außergewöhnliche, großhandelspreisbedingte Entwicklung im Geschäftsfeld Commodity Services“ geprägt worden war.

Zur Beschleunigung ihrer Stromwende werde der Mannheimer Energiedienstleister inländische Wind- und Photovoltaik-Projekte aus ihrer eigenen Projektentwicklung verstärkt im Konzern halten. In diesem Zuge übernimmt MVV beispielsweise zwei weitere Windparks, welche die Projektentwicklungstochter Juwi derzeit im Hochsauerlandkreis errichtet, in ihr Erzeugungsportfolio.

Mit Blick auf die Wärmewende betont Müller, dass Mannheim zu den ersten Großstädten in Deutschland gehören werde, die einen Wärmeplan umsetzen. Schon heute decke das Unternehmen in Mannheim 60 Prozent des Wärmebedarfs mit Fernwärme ab – in Zukunft sollen es 75 Prozent sein. Aktuell binde das Energieunternehmen die Phosphorrecyclinganlage und das Biomassekraftwerk in seinem Energie- und Recyclingpark im Norden Mannheims an das Fernwärmenetz an. „Dann kann MVV bereits mehr als die Hälfte des Wärmebedarfs der Haushalte und des Gewerbes in Mannheim mit grüner Wärme abdecken.“

⮚ Das Adjusted Ebitda der MVV liegt im ersten Geschäftshalbjahr, das Ende März zu Ende gegangen ist, bei 399 Mio. € nach 627 Mio. € im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Auf Ebit-Ebene liegt das Ergebnis bei 299 Mio. € nach 526 Mio. € im Vorjahr. Für das komplette Geschäftsjahr rechnet die MVV mit einem Ebit zwischen 360 und 440 Mio. €.

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