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Schweizer Start-up Innolith will Hochleistungsbatterie auf den Markt bringen

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Der neue Schweizer Batteriehersteller Innolith AG will eine Neuentwicklung auf den Markt bringen. Nach Unternehmensangaben handelt es sich dabei um eine Batterie mit einem anorganischen Elektrolyt. Die Batterie zeichne sich durch eine lange Lebensdauer und hohe Sicherheit aus. Denn nach Unternehmensangaben ist sie nicht entflammbar.

Auf EUWID-Nachfrage teilte Innolith mit, dass der Elektrolyt aus dem komplexen Leitsalz Lithiumtetrachloroaluminat (LiAlCl4) besteht, das in Schwefeldioxid (SO2) gelöst ist. Zusammen mit einer speziell formulierten Elektrode aus Lithium-Eisenphosphat und Kohlenstoff entstehe eine Batteriezelle mit 3,2 Volt elektrischer Spannung und 88 Wattstunden Kapazität.

Bezogen auf die Zyklenlebensdauer ist die Neuentwicklung wettbewerbsfähig

Die Frage nach den Kosten je kWh will das Unternehmen so nicht beantworten und verweist darauf, dass diese Angabe nur Sinn mache, wenn die Lebensspanne mit marktüblichen Batterien vergleichbar sei. Herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien kämen auf eine Zyklenlebensdauer von 1.000 bis 3.000 Zyklen. Die Batterie von Innolith verfüge hingegen über eine Zyklenlebensdauer von über 50.000 Zyklen.

Folglich müsste für Anwendungen, die mehrere Zyklen pro Tag erfordern, eine Kostenabschätzung je kWh je Zyklus erfolgen. Nach Angaben von Innolith weisen die eigenen Batterien diesbezüglich ein Drittel oder weniger der Kosten von herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien auf.

Batteriesystem zur Netzfrequenzregulierung ist in den USA bereits in Betrieb

Die Batterie eigne sich folglich besonders für Anwendungen, die jeden Tag zwei oder mehr Zyklen benötigen. So habe das Unternehmen bereits ein Batteriesystem zur Netzfrequenzregelung im Stromnetz des US-amerikanischen Betreibers PJM in Betrieb, das täglich zehn Zyklen durchlaufe.

Innolith hat seinen Sitz in Basel, verfügt aber über ein Forschungs- und Entwicklungszentrum im baden-württembergischen Bruchsal, wo 60 Chemiker, Ingenieure und Techniker angestellt seien. Der Forschungs- und Entwicklungsstandort verfüge bereits über eine Produktionslinie für Prototypen. Gegenwärtig baue das Unternehmen eine Massenproduktion auf. Die Kapazität der zukünftigen Fertigung werde sich auf mehrere Hundert Megawatt Leistung im Jahr belaufen, so Innolith gegenüber EUWID.

Start der Serienfertigung ist 2020 geplant

Die Produktion der Hochleistungsbatterie soll 2019 mit Tests der Fertigungslinie beginnen. Der Start der Serienfertigung ist für 2020 geplant, der Standort ist allerdings noch unbekannt. Spezialisierten Partnerunternehmen, die Innolith auswählen wird, sollen die Automatisierung der Fertigungslinie vornehmen. „Die Akkuproduktion ist ein ausgereifter Industriezweig, die Zellenmontage sollte daher von Produktionsexperten ausgeführt werden, die die erforderlichen Fähigkeiten und Erfahrungen mitbringen, um hohe Qualität bei niedrigen Kosten zu liefern“, sagte Vorstandvorsitzender Alan Greenshields. „Um dies zu erreichen, wird Innolith mit Branchenführern kooperieren und sich selbst auf Forschung und Entwicklung, Produktdesign und Spezialchemikalien konzentrieren.“

Aktuelle Forschungsarbeit konzentriert sich auf Energiedichte

In Bruchsal habe Innolith eine Batterietechnologieplattform etabliert, die eine Entwicklung von nicht-entflammbaren und stabilen Batterien mit einer hohen Zyklenlebensdauer ermögliche. Diese Schlüsseleigenschaften sollen so auch in neue Batterietypen integriert werden. Derzeit arbeitet Innolith eigenen Angaben zufolge mit Volldampf an einer Batterie mit einer hohen Energiedichte, um sein Sortiment zu ergänzen.

Innolith wird seine Batterien über spezialisierte Systemintegratoren und Vertriebspartner vermarkten. Das Unternehmen arbeitet außerdem mit Regierungsbehörden und Nichtregierungsorganisationen an der Implementierung von Innolith-Batterien als sichere und langfristige Mittel zur Optimierung der Kraftstoffeffizienz bei der konventionellen Stromerzeugung und zur Integration erneuerbarer Energien in Schwellenländern zusammen.

Zwei Vorgänger-Unternehmen sind insolvent gegangen

Auf EUWID-Anfrage will sich Innolith nicht zu seinen Gesellschaftern äußern. „Wir geben die Gesellschafter oder deren Anteile nicht individuell an“, so das Unternehmen. Nur soviel verrät das Unternehmen: Unter den Gesellschaftern sei ein strategischer Investor. Nach Angaben des Magazins Wired handelt es sich dabei um den russischen Milliardär Dmitri Rybolowlew.

Dem Bericht von Wired zufolge war der Innolith-Vorstandsvorsitzende Alan Greenshields zuvor bereits bei der Alevo Group und davor bei der Fortu Powercell GmbH involviert, beide Unternehmen hatten eine Batterie mit anorganischem Elektrolyt angekündigt, waren dann aber gescheitert. Nun soll der Markteintritt mit Innolith gelingen, das die Patente und den Standort Bruchsal von Alevo übernommen hat.

Innolith hat Patente und Standort Bruchsal von Alevo übernommen

Neben dem Labor in Bruchsal hatte Alevo nach Angaben von Wired viele Millionen in eine 300.000 Quadratmeter große Fabrik im US-Bundesstaat North Carolina investiert, obwohl das Unternehmen nur zwei oder drei Prozent der Fläche gebraucht habe. Die Produktion stellte sich als viel zu teuer heraus. Am Ende habe die Firma vor ihrer Insolvenz nur ein einziges fertiges Exemplar vorweisen können, das nun im PJM-Stromnetz in Betrieb sei.

 

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