Abo

Newsletter

Studie: Nordsee-Anrainer sollten Offshore-Parks gemeinsam planen

Ausgabe:
Bereiche:
Themen:
Ressort:
Unternehmen:

Für eine optimale Windenergieausbeute sollten Standorte von Offshore-Parks gut aufeinander abgestimmt werden und möglichst weit auseinanderliegen. Deshalb raten Forscher Nordsee-Anrainern dazu, ihre Offshore-Windkraftanlagen gemeinsam zu planen. Bei einer zu engen und unabgestimmten Nutzung der Windkraft auf See könnten sich Offshore-Windparks großräumig gegenseitig den Wind wegnehmen. Der Ertrag der Windkraftanlagen würde dadurch im Extremfall um ein Viertel und mehr sinken. Zu diesen Schlüssen kommt eine Studie im Auftrag von Agora Energiewende und Agora Verkehrswende.

Für die Studie haben Forscher der Technischen Universität Dänemark (DTU) in Roskilde und des Max-Planck-Instituts (MPI) für Biogeochemie in Jena ihre Modelle jeweils mit einer Reihe von Szenarien parametrisiert. Diese Szenarien unterschieden sich den Angaben zufolge in der Zahl und Leistung der Anlagen je Quadratkilometer und der Standorte der Windparks.

Anschließend errechneten die Modelle für jedes Szenario die möglichen Windstromerträge. Betrachtet wurde dabei die deutsche „Ausschließliche Wirtschaftszone“ in der Nordsee – jenem Seegebiet, über das Deutschland allein verfügen kann und für das derzeit die Planung für künftige Offshore-Parks erfolgt. Trotz grundsätzlich unterschiedlicher Ansätze der Modelle stimmten die Ergebnisse weitgehend überein, was die Forscher für „recht bemerkenswert“ halten.

Windenergie auf See braucht Platz, um sie optimal zu nutzen

„Die Politik und die Offshore-Planungsbehörden sind gut beraten, künftige Windparks auf See weiträumig und mit eher geringen Flächenleistungen zu planen“, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. „Weil auch Deutschlands Nachbarländer große Pläne für den Ausbau der Offshore-Windenergie haben, sollten die Nordsee-Anrainer ihre Vorhaben unbedingt miteinander koordinieren und in eine gemeinsame Planung einsteigen. Dadurch kann die Offshore-Windenergie optimal genutzt werden.“

Die Ursache für die sinkenden Erträge bei geringeren Abständen zwischen den Anlagen sei der Entzug von Bewegungsenergie in der unteren Atmosphäre durch die Windparks, ohne dass in den Freiflächen dazwischen schnell genug neue Bewegungsenergie aus höheren Schichten der Atmosphäre nachgeliefert werden könne. Der Effekt ähnele damit den bereits bekannten Abschattungseffekten innerhalb und zwischen Windparks, er tretet im Gegensatz dazu jedoch großräumig auf.

Anlagen nicht nur in Deutscher Bucht, sondern auch weiter entfernt errichten

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die deutschen Anlagen nicht nur in der Deutschen Bucht, sondern auch in weiter entfernten Gebieten errichtet werden sollten, weil die Parks ansonsten zu eng stehen würden und ihr Ertrag von möglichen 4.000 Vollaststunden pro Jahr auf 3.000 bis 3.300 Vollaststunden pro Jahr sinken würde.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Ergebnisse vorrangig für Windenergieanlagen auf See gelten. Über Land sei die Dynamik der unteren Atmosphäre anders, da hier die Sonne tagsüber die Oberfläche erhitzt und die untere Atmosphäre stärker durchmischt. Große Windschatten seien daher bislang nur auf See beobachtet worden.

Agora Energiewende verweist darauf, dass Offshore-Windkraft in den Planungen der Europäischen Union als eine tragende Säule der künftigen Energieversorgung Europas gesehen wird. Bis 2050 könnten EU-weit Anlagen mit einer Gesamtleistung von 400 bis 450 GW aufgestellt werden, um das Ziel einer klimafreundlichen Stromversorgung zu erreichen. Eine zusätzliche Leistung von bis zu 500 GW sei denkbar, um die prognostizierte Nachfrage nach elektrisch erzeugtem Wasserstoff etwa für den Einsatz in der Industrie zu decken. Alleine für Deutschland gehen Szenarien von 50 bis 70 GW Leistung bis 2050 aus. Diese sollen mit 200 bis 280 TWh Stromproduktion etwa ein Drittel bis die Hälfte des heutigen Stromverbrauchs liefern.

Auch interessant:

Windkraft im Februar: „So viel Strom wie zwei AKWs im Jahr“

Mehr von ##company_names##

Verwandte Meldungen

Wie geht es jetzt weiter?Kraftwerksstrategie: Lob und viel Kritik für Einigung zwischen BMWE und EU-Kommission

Die Einigung von Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) und Europäischer Kommission in Sachen Kraftwerksstrategie hat erwartungsgemäß ein lautes und gespaltenes Echo hervorgerufen. Während die Energiewirtschaftsverbände BDEW, VKU...

Nachrichten kompaktWindenergie-Splitter: EnBW stoppt Offshore-Projekte Mona und Morgan in Großbritannien

Sie wollen wissen, was sich aktuell in der Windenergiebranche tut? Mit unseren Splittern halten wir Sie über neue Deals, Geschäftszahlen oder Kooperationen auf dem...

12 GW steuerbare KapazitätBMWE: Grundsatzeinigung mit Europäischer Kommission über Kraftwerksstrategie

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) hat mit der Europäischen Kommission „nach sehr konstruktiven Gesprächen“ eine Grundsatzeinigung zu Eckpunkten für die Kraftwerksstrategie erzielt. Wie das Ministerium mitteilte,...

Luftverkehrsgesetz-Änderung Bundeswehr-Radare und Windkraft: BDEW warnt vor faktischem Flächenentzug

Mit der heute im Bundestag verabschiedeten Änderung des Luftverkehrsgesetzes im Rahmen des Gesetzes zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr werden die rechtlichen...

Carbon‑Free EnergyGoogle erweitert Partnerschaft mit Engie in Deutschland bis 2030

Google und Engie bauen ihre Kooperation zur Versorgung mit CO₂‑freier Energie in Deutschland aus. Die 2021 gestartete Vereinbarung zur Lieferung von Carbon‑Free Energy (CFE)...