Wasserstoff-Pilotprojekt an Kläranlage in Speyer geplant

Quelle: Stadtwerke Speyer

Die Stadtwerke Speyer (SWS) wollen zusammen mit den Entsorgungsbetrieben Speyer (EBS) und den Partnerunternehmen BHYO und IGATEC ein Wasserstoffprojekt an einer Kläranlage durchführen. Der Kooperationsvertrag dafür wurde nach Angaben der SWS bereits unterzeichnet. Das „grüne Modellprojekt“ soll Ende des Jahres 2022 bzw. Anfang 2023 in die Tat umgesetzt werden, bis dahin würden die Vorarbeiten dauern. Dazu gehört die Beantragung der notwendigen Genehmigungen und Fördermittel.

Die Technologie wird von BHYO zur Verfügung gestellt, mit ihrer Hilfe wird im Rahmen des Projekts Wasserstoff aus Klärschlämmen und Biomasse gelöst. Der Prototyp steht zurzeit noch in Heinsberg, wie Jürgen Siewerth, einer der Geschäftsführer von IGATEC, bekannt gab. Auf drei Jahre ist die Testphase angelegt. „Wir brauchen keine Großprojekte, sondern lokale, kommunale Anwendung vor Ort“, machte er deutlich.

Modellcharakter für andere Städte

SWS-Geschäftsführer Wolfgang Bühring äußerte den Wunsch, dass es nicht bei dem Speyerer Modell bleibt. „Es soll in anderen Städten vervielfältigt werden, um einen weiteren Schritt für die Energiewende zu tun“, sagte er. Dass genug energetisches Potenzial zur Umsetzung vorhanden ist, bezweifelte er nicht.

„Weltweit ist der Wasserstoffbedarf so groß, dass er nicht gedeckt werden kann“, sagte BHYO-Geschäftsführer Rolf Schmitt. Trotzdem seien alle an der Modellaktion beteiligten Partner bestrebt, im Kleinen ihren Teil dazu beizutragen. „Wir wollen die Region stärken“, untermauerte Schmitt, wohl wissend, dass mit dem Ertrag aus der Anlage keine Busse, aber Pkw betrieben werden können. Mit einem Kilo Wasserstoff, der pro Stunde produziert wird, komme ein Auto rund 100 Kilometer weit.

Entsorgungskosten für Klärschlamm entfallen

Ein finanziell nicht unbeachtlicher Synergieeffekt ergibt sich außerdem für die EBS. „Normalerweise müsste der Klärschlamm entsorgt werden. Hierbei käme Speyer auf ca. 5.000 Tonnen pro Jahr, was einen Aufwand von knapp einer halben Million Euro bedeutet“, führte der Bereichsleiter Entsorgungsdienstleistungen bei den SWS, Jürgen Wölle, aus.

Die Projektpartner werden mit renommierten Instituten aus Rheinland-Pfalz zusammenarbeiten, um die technische Umsetzung zu analysieren. Die Technische Universität Bingen ist einer der wissenschaftlichen Begleiter der Maßnahme, die im Abfallwirtschaftskonzept verankert ist. IGATEC-Geschäftsführer Siewerth erhofft sich bei dem Modellversuch Rückenwind von der Landesregierung. „Ich denke, dass wir den Forschungsstandort stärken und die Spitzentechnologie marktreif entwickeln können“, zeigte er sich zuversichtlich.

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