Windpark in Baden-Württemberg: Genehmigung nach 8 Jahren – und nun Klage gegen Genehmigung

Stadtwerke Tübingen: Windportfolio mit Projekt aus der Region ergänzen

Windkraftanlagen des Herstellers Vestas - so wie hier im Windpark Amtenhauser Berg der KommunalPartner - sollen auch im neuen Windpark Hohfleck gebaut werden. (Foto: swt/Marquardt)

Die Stadtwerke Tübingen (swt) sind beim Ende Juli genehmigten Windparkprojekt Hohfleck in Sonnenbühl (Landkreis Reutlingen) eingestiegen. Wie die Stadtwerke bekannt gaben, hat die Tochtergesellschaft Ecowerk 50 Prozent der Anteile der Projektgesellschaft übernommen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen weitere Anteile erworben werden. Mit den Winderträgen aus den fünf Windkraftanlagen, die von der Firma Sowitec aus Sonnenbühl errichtet werden, könnten die Stadtwerke einen großen Schritt auf ihrem Erneuerbaren-Ausbaupfad machen.

Windparks der Stadtwerke Tübingen (bzw. anteilig als Mitglied der KommunalPartner) stehen bislang unter anderem in Oberkochen, Ellwangen/Aalen, Framersheim oder Tuttlingen – und somit allesamt weiter entfernt oder gar in anderen Bundesländern. Die letzte Beteiligung der swt an einem Windpark liegt fünf Jahre zurück. Seither kam der Windkraft-Ausbau insbesondere in Süddeutschland weitgehend zum Erliegen. So sind in Baden-Württemberg zwischen Januar 2019 und Juni 2022 in dreieihalb Jahren nur 48 Windkraftanlagen in Betrieb gegangen, während es allein 2017 noch 123 gewesen waren. Auch in der Bevölkerung und Regionen potenzieller Windpark-Standorte wurden die Widerstände nicht kleiner – trotz der gebotenen Dringlichkeit beim Ausbau der erneuerbaren Energien, die schon vor der aktuellen Energiekrise groß war. 

Mit dem jüngst genehmigten Windpark Hohfleck im Landkreis Reutlingen gebe es nun einen positiven Lichtblick. Der Windpark entsteht im Waldgebiet zwischen Sonnenbühl-Undingen und Engstingen. Die fünf geplanten Windkraftanlagen des Herstellers Vestas (V126-3.6 MW) haben eine Nabenhöhe von 137 m und eine Gesamthöhe von 200 m. Zusammen kommen sie auf eine Leistung von 18 MW. Die Windhöffigkeit am geplanten Standort in der Gemeinde Sonnenbühl wird als aussichtsreich eingestuft.

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Getrübt wird die Freude über die Genehmigung durch eine Klage gegen diese Genehmigung. Die Begründung hierzu liegt noch nicht vor. „Die Klage hat uns nicht wirklich überrascht – obwohl wir in der aktuellen Energiekrise lokalen Strom dringender denn je benötigen“, sagt Stadtwerke-Chef Ortwin Wiebecke. Klagen gegen Windkraft-Genehmigungen seien mittlerweile Standard „und haben in erster Linie das Ziel den Ausbau der Windkraft zu behindern“, sagt Wiebecke. Aktuelle Zahlen, die beispielsweise aus Hessen bekannt sind, zeigten, dass bei 120 genehmigten Windkraftanlagen gegen 83 geklagt wurde.

Der Antrag auf Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz wurde bereits im April 2014 eingereicht. „Die Genehmigungserteilung hat sich leider jedoch durch Änderungen bei Artenschutz und aufwändigen Naturschutzuntersuchungen sowie durch zwei Gerichtsverfahren, die Sowitec für sich entscheiden konnte, jahrelang verzögert“, berichtet das Sonnenbühler Unternehmen. „Wir werden zum nächstmöglichen Termin an der Ausschreibung für Windenergie der Bundesnetzagentur teilnehmen und gleichzeitig mit Hochdruck an der Umsetzung des Projekts arbeiten“, sagte Projektleiter Andreas Wagner im August nach Vorliegen der Genehmigung zu den nächsten Schritten. „Neben den Bauvorbereitungen und der Errichtung des Windparks werden wir auch umfangreiche forst- und naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen umsetzen.“

swt voll im Plan  mit Ausbau der eigenen Erzeugung aus Erneuerbaren

Sollte nach erfolgreichem Bau des Windparks dessen Stromerzeugung wie erwartet anfallen, könnten die swt die Menge ihres selbst aus Erneuerbaren-Anlagen erzeugten Ökostroms um weitere neun Prozent steigern: Auf dann insgesamt knapp 75 Prozent des Tübinger Gesamtverbrauchs. Diesen Wert hatten die swt als Ausbauziel für das Jahr 2024 ausgegeben. Das für 2020 anvisierte 50-Prozent-Ziel hatten die Stadtwerke Tübingen bereits 2018 erreicht.

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