Ein Quartierspeicher von Ads-Tec hat durch die Zweitnutzung auf einem neuentwickelten Marktplatz keine signifikante zusätzliche Alterung erlitten. Das ist ein Ergebnis des Forschungsprojekts „Flex4Energy“, in dem der Batteriehersteller mit sechs Partnern den Ausgleich von Stromangebot und -nachfrage auf Verteilnetzebene untersucht. Der Speicher verfügt Ads-Tec zufolge über 100 kW Leistung und 100 kWh Kapazität. Damit speichert er nicht nur den Strom einer Photovoltaikanlage zwischen, sondern bietet darüber hinaus verfügbare Leistungsreserven als Flexibilitätspotentiale am neuen Marktplatz an.
Der Marktplatz, der gezielt den Handel mit regionalen Flexibilitätspotentialen ermöglicht, wurde vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Hochschule Darmstadt im Rahmen des Projekts entwickelt. Während technisch der Nutzung dieser Flexibilitätspotentiale nichts im Wege steht, existierten bisher keine Marktinstrumente, über die die beteiligten Akteure Nachfrage und Angebote unkompliziert und in Übereinstimmung mit den geltenden Rechtsvorschriften handeln können. Diese Lücke hat „Flex4Energy“ nun geschlossen.
Großbatterie speichert Solarenergie in Groß-Umstädter Neubaugebiet
Prototypisch zum Einsatz kam der Marktplatz im Netzgebiet der Entega in einem Neubaugebiet in Groß-Umstadt. Ein Ads-Tec Batteriespeichercontainer dient hier als sogenannter Quartierspeicher zur Pufferung der Energieerzeugung der Solaranlagen auf den Hausdächern. Der Speicher kann seine noch verfügbaren Leistungsreserven als Flexibilitätspotentiale auf dem Marktplatz anbieten und damit ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften, was wiederum die Wirtschaftlichkeit der Investition erhöht.
Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg hat zusammen mit Ads-Tec untersucht, wie sich die zusätzliche Nutzung auf die Lebensdauer der Batterie auswirkt. Diese zeigte über die Zeit deutlich weniger Alterung als erwartet, teilte Ads-Tec mit. Untersucht und berechnet wurde die Alterung aufgrund von Dienstleistungen, beispielsweise für Fahrpläne von Bilanzkreismanagern oder für lokale Netzbetreiber, die bei vorhersehbarer Netzüberlastung eine Flexibilität anfordern können, damit sie zum Beispiel Windräder nicht abregeln müssen.
Zweitnutzung über Marktplatz erhöht Wirtschaftlichkeit
Mithilfe dieser Zweitnutzung des Speichers war es über den Marktplatz möglich, zusätzliche Deckungsbeiträge zu erwirtschaften. Ein weiterer Vorteil des Marktplatzes ergibt sich für die Wirtschaftlichkeit verteilter Heimspeicher. Diese liegen im Winter bei geringer Sonneneinstrahlung phasenweise brach. Dadurch entsteht ein ungenutztes Flexibilitätspotential, das über einen solchen Marktplatz zur Verfügung gestellt werden kann. Eine zusätzliche Vermarktung bringt für alle Beteiligten mehr Wirtschaftlichkeit. Allerdings müsse ein Speichersystem die technischen Voraussetzungen für eine solche Mehrfachnutzung erfüllen, gibt Ads-Tec zu bedenken.
Der Verein StoREgio Energiespeichersysteme leitete das Projekt und widmete sich der Frage, welche regulatorischen Hürden für den Betrieb eines Flex4Energy-Marktplatzes bestehen und ob sich die Nutzung des Marktplatzes für Betreiber und Nutzer wirtschaftlich lohnt. Das Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering IESE hat die kritische Frage untersucht, inwieweit durch die Anbindung vieler dezentraler Anlagen an solche Marktplätze Probleme für einen sicheren Netzbetrieb entstehen könnten und wie geeignete Sicherheitskonzepte zu implementieren wären. Zudem waren neben der Ads-Tec die Hochschule Darmstadt, die Entega AG und das Fraunhofer ISE beteiligt. Gefördert wurde das Forschungsprojekt vom Bundeswirtschaftsministerium mit rund drei Mio. € gefördert.
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