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Monitoring der Energiewende

Strombedarf zwischen 600-700 TWh: Eine breite Spanne mit Interpretationsspielraum

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Der Monitoring-Bericht zur Energiewende, den Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Montag vorgestellt hat, ist erwartungsgemäß Gegenstand intensiver Debatten in der Energiewirtschaft. Das Gutachten, das nach übereinstimmender Bewertung der meisten Experten und Stakeholder sehr sorgfältig den Status quo und den weiteren Pfad der Energiewende als Metastudie zusammenstellt, wird im Kern sehr positiv aufgenommen. Umstrittener sind die politischen Implikationen, die seitens der Wirtschaftsministerin aus der Analyse gezogen werden. So bleibt unter dem Strich auch viel Interpretationsspielraum, was seine Ursache nicht zuletzt in der ermittelten Spannweite von 600 bis 700 TWh Strombedarf im Jahr 2030 hat.

Bewegt sich der Rahmen in Richtung der oberen Grenze, so ist man bereits nah dran an den Empfehlungen von Agora Energiewende, dem Berliner Thinktank, der in seinen Studien die zentrale Rolle der Elektrifizierung und Sektorkopplung hervorhebt. Auch die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Simone Peter, betonte in einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch, dass es wichtig wäre, von der genannten Spanne für den Stromverbrauch eher den oberen Rand zu nutzen. Dem Papier des BMWE zufolge sei allerdings „davon auszugehen, dass der Strombedarf eher am unteren Ende liegt.“

Branche: Strombedarf könnte sehr schnell wieder steigen

EWI und BET bezeichneten in der gemeinsamen Pressekonferenz mit der Wirtschaftsministerin den Strombedarf von 600 – 700 TWh als „einen robusten Korridor“, wobei nur ‘Studien, die von einem vollständigen Erhalt der gegenwärtigen Industriestruktur ausgehen’, im Durchschnitt einen höheren Strombedarf berechnen, heißt es beim BEE.

Doch nicht nur der Erhalt der aktuellen industriellen Basis in einem sich erholenden Wirtschaftssystem spricht aus Sicht der regenerativen Energiewirtschaft für einen höher angesetzten Strombedarf. „Es ist zwar richtig, dass der Stromverbrauch zuletzt nicht so gewachsen ist wie prognostiziert“, sagt Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG. „Wenn wir aber erstens das von allen gewünschte Wirtschaftswachstum endlich in Gang bekommen, zweitens beim Klimaschutz im Gebäude- und Verkehrssektor vorankommen und drittens auch bei der Digitalisierung vorne mitspielen wollen, wird sich dies sehr schnell ändern.“

bne: Reiche senkt Stromverbrauchsprognose schlicht um rund 100 TWh

Noch deutlicher wird der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne). Die Stromverbrauchsprognosen würden in der Interpretation des Wirtschaftsministeriums „schlicht um rund 100 TWh gesenkt“. Die Vorschläge der Gutachter zu der „in allen Szenarien robust steigenden Stromnachfrage“, zur dringend nötigen Elektrifizierung und zu deren effizienter Bewältigung, würden so ausgebremst statt beschleunigt.

Agora Energiewende betont in einer Bewertung des Monitoringberichts – und der von Reiche daraus abgeleiteten 10 Punkte –, dass Annahmen über den künftigen Strombedarf ein Spiegel der politischen Ambitionen der Bundesregierung bei Zukunftstechnologien seien. „Wie schnell sich eine klimaneutrale Industrieproduktion, Elektrolyseure, Wärmepumpen oder E-Autos etablieren können, hängt – wie auch im Monitoringbericht hervorgehoben – maßgeblich von klima- und industriepolitischen Entscheidungen ab.“ Diese bestimmten, ob Deutschland sich Wachstumsmärkte sichern kann.

BDEW: „600 bis 700 TWh gute Standortbestimmung, am Ende aber auch nur eine Momentaufnahme“

Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der viel Richtiges im Gutachten und den Ableitungen der Ministerin entdeckt, warnt vor einem zu restriktiven Ansatz. Der nun mit 600 bis 700 TWh prognostizierte Strombedarf sei eine „gute Standortbestimmung, am Ende aber auch nur eine Momentaufnahme“. Die Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie entwickele sich aktuell zwar langsamer als angenommen, dennoch sollte man vorbereitet sein auf anwachsende Stromnachfrage durch die erhoffte konjunkturelle Erholung und auf neue und zusätzliche Stromnachfrage u.a. durch Elektrolyseure, Rechenzentren, die E-Mobilität und die Wärmeversorgung.

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