Der Vorschlag von BET Consulting, Erneuerbaren-Ausbau und Netzausbau besser miteinander in Einklang zu bringen, sieht für die Biomasse eine wichtige Rolle. Sie kann dem Papier erhebliche Flexibilitäten für das neue Stromsystem erbringen. Dafür muss sie den bereits erkennbaren Weg von der Bandlast zu einer flexiblen Fahrweise konsequent vorangehen.
Die Stromerzeugung aus Biomasse erfolge bisher „größtenteils als Grundlast“, heißt es bei BET. Nur wenige Anlagen reagierten heute flexibel auf das Strompreissignal. Im Stromsystem mit hoher EE-Durchdringung sei dieses Betriebsverhalten nicht mehr markt- und systemdienlich. „Eine systemdienliche Anlagenauslegung bedeutet damit eine Überbauung, d.h. hier eine höhere installierte Leistung in Relation zur Bemessungsleistung (Jahresertrag / 8.760 h) mit Biomassespeicher (Biomassespeicherkraftwerk).“
Das Biomassepaket vom Februar 2025 habe die Anreize und Anforderungen für Flexibilisierung bereits erhöht, führt BET Consulting weiter aus. Das EEG reizt Überbauung durch Flexibilitätsprämien für Bestandsanlagen (§ 50b EEG, 130 €/kW) und Flexibilitätszuschlag für neue Anlagen (§50a EEG, jetzt 100 €/kW) an. In dem im vergangenen September beihilferechtlich genehmigten Biomassepaket 2025 soll eine systemdienliche Anlagenauslegung durch eine Begrenzung förderfähiger Betriebsviertelstunden erreicht werden. Alternativ wurde über eine Mindestüberbauung diskutiert.
BET: Überbauung könnte perspektivisch auf Faktor 5-8 anwachsen
Der in der BET-Studie propagierten netzdienlichen Auslegungslogik von EE-Anlagen folgt der regulatorische Rahmen mithin bereits. „In der Anlagenauslegung ist die systemdienliche Anschlussleistung (SAL) durch Überbauung kleiner als die installierte Leistung“, heißt es in der Analyse. „Sie entspricht einer Bemessungsleistung aus der Biomasseförderung mit einer Überbauungsvorgabe.“ Eine Überbauung könne perspektivisch von Faktor 3 auf Faktor 5-8 anwachsen. „Bei gegebener Netzverträglichkeit kann die Anlage damit in Situationen wie der Dunkelflaute die volle installierte Leistung einspeisen und erhält hierfür eine Förderung.“
Ein markt- und systemdienliches Verhalten der Biogasanlagen soll gefördert werden. Dazu werde bereits eine starke Überbauung der Anlagen angereizt. „Im vorgeschlagenen Marktdesign entspricht die SAL damit nur einem Bruchteil der installierten Anlagenleistung, sodass Anreize bestehen, nicht zu negativen Preisen sowie zu Zeiten von Netzengpässen einzuspeisen.“
Flexibilität aus Biomasse trägt zu deutlicher Förderreduktion für Wind und PV bei
Die Analyse von BET Consulting kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Strompreise insbesondere durch zunehmende Flexibilitäten auf einem „moderat gehobenen Niveau“ glätten. Durch ein systemdienliches Anlagendesign sowie systemdienliche Flexibilitätsanreize erhöhten sich zugleich die Marktwerte von EE-Anlagen deutlich. Dieser Effekt senkt zugleich Förderkosten. Durch die bessere Systemintegration können mehr EE-Mengen marktseitig integriert und gefördert werden.
Interessant ist, dass im Szenario „Strommarktdesign mit systemdienlicher Auslegung von EE-Anlagen und Flexibilitäten“ die Förderkosten für Biomasse nicht sinken. Eine vermehrte Biomasse-Überbauung führt im Szenario zu höheren Förderkosten über die Flexibilitätsprämie von 100 €/kW. Durch den hohen Wert der Flexibilität werden aber die Marktwerte von Wind und PV gegenüber Alternativszenarien ohne optimierte Flexibilität so stabilisiert, dass in Summe eine deutlich höhere Senkung der Förderkosten im Jahr 2045 erreicht wird – knapp 16 Mrd. Euro Reduktion gegenüber etwas mehr als 5 Mrd. Euro Einsparung im Szenario „Strommarktdesign mit systemdienlicher Auslegung von EE-Anlagen“, bei dem keine zusätzlichen Flexibilitätsinstrumente ausgereizt werden.
Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Flexibilisierte Biogasanlagen, Batteriespeicher und nachfrageseitige Flexibilitäten können den Bedarf an gesicherter H2-Kraftwerksleistung in 2045 deutlich reduzieren. Der langfristige Bedarf an gesicherter Kraftwerksleistung gehe durch die modellierten Marktdesignverbesserungen sukzessive zurück. Bereits die systemdienliche Anlagenauslegung von EE-Anlagen habe einen „moderaten Effekt“ auf die gesicherten Kraftwerkskapazitäten: Durch höhere Vollbenutzungsstunden der volatilen EE-Anlagen und PV-Co-Location werde gegenüber BAU weniger in Gasturbinen investiert. „Einen starken Effekt weisen systemdienlichere Flexibilitäten auf“, betonen die BET-Experten. „Durch mehr Biogaskapazitäten, Batteriespeicher sowie Lastflexibilität können fast 14 GW Kraftwerksleistung eingespart werden.“